Die neue LOGICO-Förderbox PICCOLO Deutsch Basiskompetenzen - Ein Einführungsartikel der Autorin

von Claudia Rathmann

Alle Kinder lernen lesen … und schreiben

Wer heute in ein erstes Schuljahr hineinschaut, hat es mit einer bunten Mischung zu tun. Da sitzen Kinder, die mit Hingabe ihren Namen schreiben und einige Wörter lesen können, neben solchen, die am liebsten den ganzen Tag Fußball spielen und um Stifte einen großen Bogen machen. So unterschiedlich wie die Kinder und ihre Interessen sind auch die Vorerfahrungen und Voraussetzungen, die sie für das Lesen- und Schreibenlernen mitbringen. Damit der Schulstart für alle gelingen kann, ist es wichtig, dass Sie sich ein Bild darüber machen, über welche Basiskompetenzen die Kinder ihrer Klasse schon verfügen und wo sie noch unterstützt werden müssen.

Basiskompetenzen bezeichnen die Vorläuferfähigkeiten, die für das Lesen- und Schreibenlernen bedeutsam sind und die bereits im Vorschulalter erworben werden. Dazu gehören Erfahrungen und erste Kenntnisse rund um Sprache und Schrift. Prominent ist hier die Phonologische Bewusstheit, also die Sensibilität für den Klang und die Laute der Sprache. Aber auch andere grundlegende Fähigkeiten gehören dazu, so z.B. visuelle und grafomotorische Fähigkeiten, Merkfähigkeit und der Wortschatz.

Warum sind Basiskompetenzen so wichtig?

Lesen und Schreiben sind komplexe Prozesse, die eine Vielzahl von Fähigkeiten und Fertigkeiten verlangen, über die wir als erfahrene Schriftnutzer ganz selbstverständlich  verfügen können. Bei Kindern ist das anders. Das nachfolgende Beispiel zeigt, welche Herausforderungen sich für Schulanfänger und Schulanfängerinnen beim Lesen- und Schreibenlernen ergeben und warum Basiskompetenzen dabei so wichtig sind.

Laute hören und unterscheiden können

Lena will ihre Freundin Lisa zum Geburtstag einladen. Den Einladungstext hat ihre Mutter geschrieben, aber die Namen der Gäste will Lena selbst einfügen. Was muss sie dabei leisten? Wenn Lena sich den Namen ihrer Freundin nicht als Bild gemerkt hat, muss sie ihn sich zunächst Laut für Laut vorsprechen. Danach ordnet sie jedem Laut einen entsprechenden Buchstaben zu. Das funktioniert aber nur, wenn Lena in der Lage ist, die einzelnen Phoneme eindeutig voneinander zu unterscheiden. In der Fachwissenschaft sprechen wir von der Phonologischen Bewusstheit. Sie ist eine entscheidende – wenn auch nicht die einzige – wichtige Vorläuferfähigkeit für das Schreibenlernen.

Schriftzeichen sehen und unterscheiden können

Um den Namen ihrer Freundin richtig aufschreiben zu können, braucht Lena zudem eine sichere Raumlage-Wahrnehmung, d.h. sie muss unterscheiden können, wie die Buchstaben im Raum – also auf dem Papier – dargestellt werden. Besonders deutlich wird dies bei ähnlich aussehenden Graphemen wie d und b. Während beim b der Bogen nach rechts zeigt, wird er beim d nach links ausgeführt. Bei dem Namen LISA könnte das S zum Problem werden. Viele Kinder haben zunächst Schwierigkeiten, die Bögen richtig zu kombinieren. Sie schreiben diesen (und auch  andere) Buchstaben dann spiegelverkehrt.

Auch für das Lesen ist eine sichere Raumlage-Wahrnehmung wichtig. Wer den geschriebenen Buchstaben nicht eindeutig identifizieren kann, dem wird auch das Rekodieren, d. h. das Rückübersetzen in Laute, nicht gelingen.

Um die einzelnen Buchstaben so aufschreiben zu können, dass ihre Freundin den Namen auch lesen kann, muss Lena wissen, dass jeder Buchstabe bestimmte Formmerkmale besitzt, die immer gleich bleiben, egal ob er als Druckbuchstabe in der Zeitung steht oder schnörkelig auf der Hochzeitsanzeige. Diese definierenden Merkmale muss Lena kennen und umsetzen können. Auch für das Lesen ist die Form-Konstanz-Wahrnehmung wesentlich. Wie sonst sollte ein Kind verschiedene Schriften lesen können?

Beim Schreiben von Wörtern ist es zudem wichtig, die einzelnen Buchstaben räumlich korrekt miteinander zu kombinieren. Dies ist besonders bedeutsam, wenn Laute dargestellt werden, die aus verschiedenen Graphemen bestehen, etwa sch (und nicht chs) oder ei (und nicht ie). Aber auch das Verhältnis von Buchstaben, die einen Strich nach oben (d) oder nach unten (p) aufweisen, muss eindeutig erkennbar sein. Um dies leisten zu können, benötigen die Kinder eine sichere Wahrnehmung räumlicher Beziehungen – zum Glück muss Lena da beim Namen ihrer Freundin nicht aufpassen.

Für Lisa, die den Brief bekommt, ist darüber hinaus noch eine sichere Figur-Grund-Wahrnehmung von Bedeutung. Sie muss in der Lage sein, aus dem Einladungstext ihren Namen herauszufiltern, d. h. die einzelnen Grapheme wiederzufinden, ohne sich durch die Reize der Umgebung ablenken zu lassen.

Es wird deutlich, dass der Erwerb der Basiskompetenzen eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg beim Lesen- und Schreibenlernen ist.

Welche Konsequenzen ergeben sich für den Unterricht?

Es ist nicht selbstverständlich, dass alle Kinder bei Schuleintritt in allen Bereichen über ausreichende Basiskompetenzen verfügen. Da gibt es Anton, der großartig zeichnen und Muster fortsetzen kann, dem es aber schwerfällt, einen passenden Reim zu „Haus“ zu finden – und Leonie, die ein Dutzend Abzählverse kennt, sich beim Memo-Spiel aber die Formen nicht merken kann. Machen Sie sich bewusst, dass Sie eine Vielfalt an Kindern in Ihrer Klasse haben und über welche Lernvoraussetzungen sie verfügen, damit Sie gezielt Hilfen anbieten können.

In der Basisbox Deutsch finden Sie viele Anregungen, wie Sie Kinder mit dem bewährten LOGICO-Material in unterschiedlichen Basiskompetenzen fördern können. Auf insgesamt 80 Karten gibt es Aufgaben zu den folgenden Vorläuferfähigkeiten: Visuelle Wahrnehmung, Phonologische Bewusstheit, Logisches Denken (Serialität), Wortschatz und Begegnung mit Schrift. Diese sind klar und übersichtlich gestaltet, um den Kindern die Orientierung zu erleichtern und den Fokus gezielt auf die entsprechende Aufgabe zu lenken. Zu jedem Aufgabenformat werden mehrere Karten hintereinander angeboten, die sich im Schwierigkeitsgrad steigern. Auf diese Weise gewinnen die Schülerinnen und Schüler zunehmend Sicherheit und Selbstständigkeit bei der Arbeit mit dem LOGICO-Material und können zugleich ihre Fähigkeiten systematisch weiter ausbauen. Dies ist insbesondere für die Kinder wichtig, die noch über sehr eingeschränkte Basiskompetenzen verfügen. Sie können ihre kognitiven Kapazitäten so ganz für die Lösung der Aufgaben einsetzen und mit dem angebotenen Material schnell Erfolgserlebnisse erzielen.

 

 Claudia Rathmann ist Fachleiterin für das Fach Deutsch und eine der Autorinnen der LOGICO-Förderbox Deutsch Basiskompetenzen.

 

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Förderbox Deutsch Basiskompetenzen