Englisch jetzt auch schon ab Klasse 1

Ursula Schäfer

Englischunterricht gehört in der Grundschule seit Jahren zum Stundenplan und somit zum täglichen Schulalltag. Seit dem 1.2.2009 wird in NRW nun auch Englisch ab Klasse 1 unterrichtet, wie in anderen Bundesländern schon seit mehreren Jahren. Bisher vorliegende Lehrpläne orientieren sich an den unterschiedlichen Anforderungsbereichen des Europäischen Referenzrahmens und geben vor, welche Sach- und Methodenkompetenzen am Ende von Klasse 2 bzw. von Klasse 4 erwartet werden. 

Der Aufbau von Sprachkompetenz erfordert die Entwicklung bestimmter Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Bereichen: Hör- und Hörsehverstehen, Sprechen, Lesen, Schreiben und Sprachmittlung.

Im Mittelpunkt des grundschulgemäßen Englischunterrichts steht der rezeptive und produktive Umgang mit der gesprochenen Sprache. Innerhalb der im Lehrplan vorgegebenen verbindlichen Erfahrungsfelder erfolgt der Erwerb in den Bereichen Kommunikation, Interkulturelles Lernen, Verfügbarkeit von sprachlichen Mitteln und Methoden.

Zweitspracherwerb - Lernersprache

Erkenntnisse aus der Spracherwerbsforschung helfen, den Unterricht zu optimieren und den Spracherwerb positiv zu beeinflussen. Wir wissen, wie entscheidend es ist, eine Lernumgebung zu schaffen, in der sich Spracherwerb erfolgreich vollziehen kann. Dies stellt die Lehrkraft vor verschiedene Anforderungen: 

  • Ein kommunikationsorientierter Unterricht ist lernerzentriert.
  • Die Schülerinnen und Schüler sollen die neue Sprache von Anfang an als Instrument zur Verständigung erleben. Sie können Wortschatz besser lernen, wenn er in Zusammenhängen, Wortfeldern, Redemitteln und im Rahmen relevanter Themen angeboten wird.
  • Authentische und bedeutsame Szenarien bieten eine „reiche Sprachumgebung" und fördern durch ein anspruchsvolles Angebot den Sprachzuwachs.
  • Offener und individualisierter Unterricht erfordert ein hohes Maß an entsprechenden Förder- und Differenzierungsmöglickeiten.

Zuerst einmal ist es absolut notwendig, Schülerinnen und Schüler mit Sprache experimentieren zu lassen. Mimik und Gestik, sowie der Einsatz von Lernersprache (Die Schülerinnen und Schüler setzen bereits bekanntes englisches Vokabular zusammen mit ihrer Muttersprache ein.) führen dazu, dass sie sich schon sehr früh auf unterschiedlichem Niveau verständigen. Lerner sind keine reinen Imitatoren. Sie brauchen Gelegenheiten und Situationen, durch Versuch und Irrtum den Spracherwerbsprozess aktiv zu beeinflussen. 

Konkret heißt das, dass wir immer wieder freie Sprechanlässe schaffen müssen wie z.B. mithilfe von Postern, Wimmelbildern, Folien …, zu denen Schülerinnen und Schüler sich je nach Sprachstand äußern können. Lehrer geben “Corrective Feedback”, bereichern durch das so genannte “Enriching Language Bath” und ermöglichen so auch Sprachzuwachs. 

Handlungsorientierung

Wenn es uns gelingt, in unserem Unterricht solche Aufgaben zu entwickeln, solche Anlässe zu schaffen, die einen sprachlichen Output notwendig machen (Task), schaffen wir Anreize, die Fremdsprache zu verwenden und in der Fremdsprache zu handeln. In einem Vortrag (Solingen 2008) fasste Prof. Dr. Andreas Rohde dieses Prinzip in einfache Worte: “Using English to learn it” im Gegensatz zu “Learning English to use it.”

Seien Sie also mutig, lassen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler mit dieser Sprache natürlich umgehen, mit ihr kommunizieren. Auch die Lehrpläne sprechen von “Fluency (Message) before Accuracy”, was bedeutet, dass es zuerst einmal darum geht, Lerner zum Sprechen zu ermutigen und bereits vorhandenes Wissen einzusetzen. 

Das heißt keineswegs, dass nicht korrektes Englisch das Ziel unseres Unterrichts ist. Neben dem Raum für Spracherwerb, den wir mit unseren Sprechanlässen schaffen, stellen wir unseren Schülerinnen und Schülern “Chunks” (Bedeutungseinheiten) zur Verfügung, die sie lernen und die helfen, im Gehirn mehr und mehr “Clumbs” (Klumpen) zu bilden. Aber es muss einen sinnvollen Anlass zum Sprechen geben.Nachgeplapperte Dialoge, Redewendungen, die keinen Bezug zur kindlichen Wirklichkeit haben, führen nicht zum Erfolg. Ganz im Gegenteil, solche Redemittel gehen schnell wieder verloren und haben keinen Einfluss auf den Spracherwerb. Die Methodikerin Dr. Diana Hicks (UK) bringt es in ihren Fortbildungen auf den Punkt und fordert: “Create a Need!” Damit macht sie deutlich, worauf es uns ankommen soll: einen Grund zum Sprechen schaffen! Diesen Aspekt sollten individuelle, handlungsorientierte Aufgabenstellungen berücksichtigen. 

Phasenwechsel

Im Schuleingangsalter sind Kinder aufgrund ihrer kognitiven Entwicklung in der Lage, sich 10-15 Minuten auf eine Sache zu konzentrieren. Das bedeutet aber nun nicht, dass wir alle 15 Minuten etwas völlig anderes anbieten müssen. Wir sollten nur dafür sorgen, dass die gleiche Sache mal aus einer anderen Perspektive gesehen werden kann. So können dieselben Redemittel bei Spielen, Liedern und handlungsorientierten Übungen Verwendung finden. Kindliche Gehirne bekommen so die Gelegenheit, sich nach kurzen Phasen immer wieder neu konzentrieren zu können. So ist Lernzuwachs möglich.

Selbsteinschätzung/Portfolio

Kinder müssen langsam und behutsam dahin geführt werden, sich selbst einzuschätzen und diese Einschätzung zu äußern und festzuhalten. Ein erster Schritt auf diesem Wege ist die Reflexion am Ende einer Unterrichtsstunde oder  -einheit. “What have you learned?” so lautet die Frage, deren Beantwortung aber erst mit viel Hilfe gelingt. Denn dazu müssen Schülerinnen und Schüler z.B. im Laufe des Unterrichts erfahren, was es zu lernen gibt (Zieltransparenz): “Here you can learn new words / new sentences / the structure...” Dann muss man über das Gelernte reflektieren. Hier sind Antworten in der Muttersprache, in der Lernersprache und in der Zielsprache erlaubt. Wichtig ist, dass Kinder lernen, auf der Lernebene und nicht auf der Handlungsebene zu reflektieren: “I have learned new words – monkey and lion.” Nicht aber: “I have learned animal game.”

Ein weiteres Mittel zur Reflexion des Gelernten ist das Führen eines “English Diary” oder eines Portfolios. Einträge in gemalter oder geschriebener Form sollten dabei nicht ohne “Conferencing” im Raum stehen. Wenn mit Schülerinnen und Schülern nicht immer wieder über ihre Einträge gesprochen wird, wenn es dafür keine Kriterien gibt, die von Kindern verstanden wurden, verbleiben die Dokumentationen auf der Stufe eines Aktenordners mit gesammelten Arbeitsblättern aus dem Englischunterricht. 

Führen Sie die Kinder langsam heran, indem Sie sie aufmerksam machen: “Here you can learn...” Solche Informationen sollten über Sprachmittlung (Who can say that in German?) abgesichert werden, was bedeutet, dass ein Kind wichtige Dinge, die es verstanden hat, erklärend (nicht als wörtliche Übersetzung) in der Muttersprache an die Mitschüler und Mitschülerinnen weitergibt.

Differenzierung

Wir müssen alle immer wieder daran denken, wie unterschiedlich Kinder lernen. Es ist daher nicht möglich, von allen Kindern einer Lerngruppe zur gleichen Zeit die gleichen Ergebnisse zu verlangen! Das heißt, dass schon von Beginn an unterschiedliche Aufgabenformate in differenzierter Form zur Verfügung stehen sollten. Es bedeutet keineswegs, dass 3 verschiedene Kopiervorlagen verteilt werden müssen, sondern dass eine Aufgabe Möglichkeiten enthält, diese individuell und auf verschiedenen Niveaus zu bearbeiten.

Viele kleine Schritte führen oft sinnvoller und erfolgreicher zu dem Ziel, dass unsereSchülerinnen und Schüler mit viel Freude eine neue Sprache lernen. Wir sollten alles dafür tun, dass ihnen dies gelingt!

Das Little Early Bird-Material ist so aufgebaut, dass alle oben genannten Aspekte Beachtung finden und Ihnen bei deren Umsetzung geholfen wird.So werden Arbeitsanweisungen bereits in englischer Sprache angeboten, Hinweise auf Sprachmittlung gegeben, Zieltransparenzformulierungen vorgeschlagen.

In den Marginalspalten der Unterrichtseinheiten gibt es methodische Hinweise, Erklärungen für didaktische Entscheidungen und Erläuterungen interkultureller Phänomene.

Möglichkeiten fächerübergreifenden Arbeitens werden vorgeschlagen. Während mit dem Material gearbeitet wird, entsteht nach und nach ein Methodenrepertoire, das jeweils durch entsprechende Hilfen unterstützt wird. So enthält das Material die notwendigen Symbolkarten für die Verlaufstransparenz zu Beginn der Stunde genauso wie Symbolkarten für Gruppenverantwortlichkeiten (Language Guard, Time Guard, Artist...). 

Zusammenfassend ist zu sagen:

Little Early Bird ist so angelegt, dass die Schülerinnen und Schüler zum Umgang mit der englischen Sprache motiviert werden. Sie bekommen ausreichend Gelegenheit, ihr Hörverstehen zu schulen und in motivierenden Sprechanlässen ihre Lernersprache zu erproben (im Plenum und in Partner- oder Gruppenarbeit). Zudem werden Angebote zum Lesen oder Schreiben für Kinder, die das bereits können und wollen, zur Verfügung gestellt.

Little Early Bird stellt das Handeln mit Sprache in den Mittelpunkt, enthält viele Anregungen für Differenzierung und Individualisierung und macht es Ihnen leicht, die Anforderung von Didaktik und Sprachwissenschaft zu erfüllen und Ihren Unterricht “demanding” und “challenging” zu gestalten.


Ursula Schäfer ist Fachleiterin für Englisch GHR-Ge Schwerpunkt Primarstufe in Düsseldorf.

© Finken Verlag, 2009
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Mehr Informationen zum Little Early Bird-Material erhalten Sie unter:

Little Early Bird 1/2