Stationenarbeit

Christine Holder und Gisela Hissnauer

Die Stationenarbeit ist eine Form des offenen Unterrichts. Sie wurde 1952 in England als Trainingsmethode für den Leistungssport entwickelt. 
Im Jahr 1987 entwarf eine Gruppe von engagierten Lehrerinnen und Lehrern Arbeitsmittel, die es ermöglichten, Zirkelprogramme auch auf andere Fächer zu übertragen und das Zirkeltraining als eine Form spielerischen, entdeckenden und handelnden Lernens für die unterschiedlichen individuellen Lernvoraussetzungen der Kinder zu nutzen. Dabei wurden, ebenso wie in andere Formen des offenen Unterrichts, Prinzipien reformpädagogischen Denkens implementiert. So waren unter Celestin Freinet mit den sogenannten „Arbeitsateliers“ ortsfeste Stationen mit Materialien und Arbeitsanweisungen zur selbstständigen freien Erarbeitung zu unterschiedlichen Zeiten und wechselnden Sozialformen eine gängige Arbeitsform. Im Unterschied zur Stationenarbeit war in den Arbeitsateliers allerdings keine durchgängige Bindung an ein für alle gemeinsames Thema vorgesehen.

Durch die selbstbestimmte Auswahl der Stationen mit den dort angebotenen Übungen und Arbeitsaufträgen können die Schülerinnen und Schüler ihre Möglichkeiten erproben, sich so selbst betätigen und sich in ihrem individuellen Leistungsvermögen immer wieder neu erfahren. Jede Arbeit führt zu einem Erfolgserlebnis und regt zu neuem Tun an. 

Stationenarbeit Bild 1

 

Qualitätskriterien sind unter anderem:

  • Methodenvielfalt, d.h. ein klar strukturiertes Lernangebot, dessen Aufgaben Aufforderungscharakter besitzen
  • Ein Angebot an Einstiegshilfen, Kontrollmöglichkeiten
  • Eine individuelle an die Lernvoraussetzungen der Kinder angepasste Lernumgebung
  • Variable und arbeitsintensive Lernzeit mit Berücksichtigung der individuellen Lernrhythmen der Kinder
  • Immer wiederkehrende Fixpunkte, wie Rituale, geregelte Übergänge und Abschlüsse

 

 

 

Charakteristische Merkmale einer Stationenarbeit

  • Die Struktur des Aufbaus ist für die Kinder transparent.
  • Die Stationenarbeit wird überwiegend durch ein Thema begrenzt.
  • Lerneffizientes Arbeitsmaterial und verständlich formulierte Arbeitsaufträge liegen an den einzelnen Stationen bereit.
  • Möglichkeiten der Selbstkontrolle sind vorhanden.
  • Die Variabilität in der Wahl der methodischen Möglichkeiten und der Sozialformen entsprechen den unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler.
  • Es findet eine Berücksichtigung der unterschiedlichen Lernkanäle statt.
  • Die Kinder können aus den differenzierten Lernangeboten frei wählen. 
  • Die Kinder bestimmen die Reihenfolge der Bearbeitung.
  • Das Lernen geschieht ohne Zeitdruck; die individuellen Bearbeitungsmöglichkeiten sind wesentliche Elemente.
  • Soziales Lernen wird durch selbstständiges, kommunikatives und kooperatives Arbeiten gefördert.

 


Vier für die Stationenarbeit typische Phasen

  • Heranführen, Vorstellen und Besprechen der Stationenthematik im Sitzkreis bzw. Rundgang entlang der einzelnen Stationen. Möglichkeit ergänzender Erläuterungen zu den einzelnen Arbeitsaufträgen und Materialien
  • Aus organisatorischen Gründen bzw. um einen störungsfreien Ablauf zu garantieren, kann die Zuordnung der Schülerinnen und Schüler zu einer Anfangsstation vorgenommen werden.
  • Selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten an den einzelnen Stationen.
  • Ergebnissicherung am Ende der Arbeitsphase: Lernergebnisse werden präsentiert und moderiert.

Positive Elemente werden entsprechend gewürdigt und weniger positive Aspekte werden in einer gemeinsamen Reflexion ergänzt bzw. geklärt.


Voraussetzungen bezüglich des MaterialsStationenarbeit Bild 2
Die Arbeitsmaterialien sollen:

  • thematisch adäquat und an der Interessenslage der Kinder orientiert sein,
  • ästhetisch aufbereitet sein,
  • so strukturiert sein, dass die Schülerinnen und Schüler die einzelnen Lern- und Arbeitsschritte nach Möglichkeit ohne fremde Hilfe nachvollziehen können,
  • eine Selbstkontrolle der Arbeitsergebnisse beinhalten,
  • zur Kooperation, nicht zum Wettbewerb untereinander anregen,
  • differenzierte Aufgaben enthalten, die auch von den Kindern in einer angemessenen Zeit bewältigt werden können. 


Christine Holder ist Referentin Primarstufe am Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz.

Gisela Hissnauer ist Fachleiterin für Grundschulpädagogik am Staatlichen Studienseminar für Grund- und Hauptschulen Rohrbach.

© Finken-Verlag
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