Wochenplanarbeit

Christine Holder und Gisela Hissnauer


Was versteht man unter dem Begriff Wochenplan?

Ein Wochenplan ist ein Organisationsmodell, das flexibel im Unterricht eingesetzt werden kann und sowohl Kindern als auch Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit gibt, den individuellen Lernvoraussetzungen differenziert zu begegnen.

Darüber hinaus ist ein Wochenplan ein schriftlich fixierter Arbeitsplan für alle Fächer, die die Lehrkraft in dieser Form unterrichten möchte. Die in ihm enthaltenen Aufgaben werden in einem vorher festgelegten Zeitraum bearbeitet. Der Wochenplan kann Pflichtaufgaben und ein Wahlangebot enthalten. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden selbst über die Reihenfolge der zu bearbeitenden Aufgaben, ebenso über die Sozialform. Wochenplanunterricht richtet sich nach den individuellen Lernvoraussetzungen der Kinder.


Gibt es unterschiedliche Wochenpläne?

Beim geschlossenen Wochenplan wird zwischen Pflicht- und Wahlaufgaben unterschieden. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden eigenständig über die Reihenfolge der Bearbeitung und sie gehen in ihrem individuellen Lern- und Arbeitstempo vor. Eine Differenzierung kann durch die Stellung offener Aufgaben erfolgen. Die Grenzen des geschlossenen Wochenplans liegen in der Passung des Unterrichts an die individuellen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler.

Der individuelle Wochenplan für einzelne Schülerinnen und Schüler bzw. für Schülergruppen berücksichtigt konsequent sowohl die individuellen Lernvoraussetzungen wie auch Lern- und Aneignungsmöglichkeiten des Einzelnen.

Grundlage eines offenen Wochenplans ist die gemeinsame Planung der Aufgabenstellungen von Lehrkraft und Schülerinnen und Schüler.


Welche pädagogischen Ziele werden mit der Wochenplanarbeit verfolgt?

Die Wochenplanarbeit fördert die Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit der Kinder. Sie unterstützt die Kooperationsfähigkeit nicht nur zwischen den Schülerinnen und Schülern selbst, sondern auch die mit den Lehrkräften durch eine veränderte Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Des Weiteren ermöglicht die Wochenplanarbeit in zunehmendem Maße Möglichkeiten der Selbsteinschätzung. Positive Auswirkungen auf die Motivation und die Lernbereitschaft der Kinder sind ebenso eine wesentliche Konsequenz wie die veränderte Rolle der Lehrerinnen und Lehrer.
Voraussetzungen für gute Wochenplanarbeit sind daher:

  • differenzierende Angebote, die die individuellen Lernvoraussetzungen der einzelnen Schülerinnen und Schüler berücksichtigen,
  • offene und differenzierende Arbeitsmittel (mit Selbstkontrolle),
  • ein unterschiedliches Anspruchsniveau der Aufgaben,
  • Kenntnis eines selbsttätigen eigenverantwortlichen Unterrichts,
  • angemessene Methodenkenntnis,
  • Transparenz der Bewertungskriterien und
  • kontinuierlich vorgenommene Reflexion.

 

Wie kann die Wochenplanarbeit eingeführt werden?

Wochenplanarbeit Checkliste WOP

Bevor die Schülerinnen und Schüler mit der Wochenplanarbeit beginnen, wird der aktuelle Plan oder werden die verschiedenen Pläne entweder im Morgenkreis, im Kreis einzelner Lerngruppen oder einzelnen Schülerinnen und Schülern vorgestellt und mit ihnen besprochen.
Die Lehrkraft muss sicherstellen, dass die Kinder zu verlässlichen Zeiten innerhalb einer Unterrichtswoche selbstständig an ihrem Wochenplan arbeiten können. Selbstständig müssen die Kinder Entscheidungen bezüglich ihrer Zeiteinteilung, der Wahl der Sozialform und der Inanspruchnahme von Hilfen treffen. Die Lehrkraft begleitet diese Arbeitsphase aktiv. Sie beobachtet den Lernprozess der Kinder und gibt ihnen Rückmeldung, wenn sie feststellt, dass die Schülerin, der Schüler mit den zu treffenden Entscheidungen überfordert ist oder Probleme mit der Bearbeitung einzelner Aufgaben hat. 

 

Gestaltung einer anregenden Lernumgebung

Damit die Schülerinnen und Schüler selbstständig arbeiten können, benötigen sie eine anregende Lernumgebung, die von der Lehrkraft vorbereitet wird. Der Klassenraum sollte - in Absprache mit den Schülerinnen und Schülern - in verschiedene Funktionsbereiche aufgeteilt sein. So sollte es eine Leseecke, eine Medienecke, einen mathematischen Bereich, eine Schreibecke und einen Sachbereich geben, in dem die Schülerinnen und Schüler Sachbücher, Lexika, Experimentierkisten vorfinden.

 

Zwischen- und Abschlussreflexion

Wochenplanarbeit ArbeitsmittelWelche Bedeutung haben kontinuierliche Rückmeldegespräche?

Für die Effizienz der Wochenplanarbeit sind Rückmeldegespräche von besonderer Wichtigkeit. In einem Abschlusskreis haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihren Lernprozess zu reflektieren. Die Kinder verbalisieren ihr Vorgehen und die Lehrkräfte erhalten Einblick in den Arbeitsprozess der Schülerinnen und Schüler. Mögliche Impulsfragen könnten sein:

  • Welche Aufgaben konnte ich selbstständig bearbeiten?
  • An welchen Stellen benötigte ich Hilfe?
  • Wer hat mir geholfen?
  • Welches Ziel nehme ich mir morgen vor?
  • Welches Material benötige ich, um die nächsten Aufgaben zu bearbeiten?

 

Begleitende kurze Gespräche haben folgende Funktion:

  • Sie dienen der Diagnose der individuellen momentanen Leistungsfähigkeit.
  • Sie helfen bei der Bewältigung eines Auftrags, wenn Kinder mit der Schwierigkeit oder dem Umfang einer Aufgabe nicht zurechtkommen.
  • Aufgaben werden bei Bedarf einzeln oder in einer kleinen Gruppe geklärt.


Abschlussgespräche

  • Reflexion der gesamten Arbeitsphase:
  • Welche Aufgaben gefielen mit gut?
  • Wo lagen Probleme?
  • War die gewählte Sozialform der jeweiligen Aufgabe angemessen?
  • Wurden die vereinbarten Regeln zur effizienten Bearbeitung eingehalten?

Information der Eltern

Auf einem Elternabend wird den Eltern das Arbeiten mit einem Wochenplan vorgestellt. Die Eltern haben die Möglichkeit, einen konkreten Einblick in die verschiedenen Materialien und Spiele zu erhalten, indem sie diese beispielhaft einmal selbst spielen und bearbeiten.
Auch sollte mit den Eltern besprochen werden, was zu tun ist, falls nicht alle Aufgaben der Wochenpläne in der Schule vollständig bearbeitet werden konnten. Dies darf nicht bedeuten, dass die Kinder die nicht erledigten Aufgaben am Wochenende zu Hause fertig stellen müssen.


„Selbstgesteuertes Lern- und Arbeitsverhalten kann nur gelingen in der Balance zwischen der Freiheit des Einzelnen und den Bedürfnissen der Gruppe.“
(Ingo Strote)


Christine Holder ist Referentin Primarstufe am Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz.

Gisela Hissnauer ist Fachleiterin für Grundschulpädagogik am Staatlichen Studienseminar für Grund- und Hauptschulen Rohrbach.



© Finken-Verlag, 2010

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