Die Arbeit mit LOGICO aus der Sicht von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen einer Düsseldorfer Grundschule

Andrea Muschkowski

Wenn man mich fragt, welche Unterrichtsmaterialien ich zur individuellen Förderung, zur Differenzierung sowie Individualisierung von Schülerinnen und Schülern in vielseitigen Unterrichtssituationen empfehle, steht für mich der Einsatz des LOGICO-Materials außer Frage. Doch wie sehen das die Betroffenen, nämlich meine Schülerinnen und Schüler, selbst? Arbeiten sie eigentlich gerne mit LOGICO? Was genau gefällt ihnen an der Arbeit mit LOGICO? Gibt es eventuell Schwierigkeiten? Weiterhin interessiert mich auch die unterrichtliche Auseinandersetzung mit LOGICO aus der Sicht meiner Kolleginnen. Welche Vorteile bzw. Lernchancen sehen sie in diesem Material? Wie erleben sie ihre Schülerinnen und Schüler während der Arbeit mit LOGICO? Gibt es Schwierigkeiten hinsichtlich eines längerfristigen und gewinnbringenden Einsatzes?

Diesen und weiteren Fragen ging ich mithilfe eines Interviews nach, das die subjektive Sicht und damit die individuellen Erfahrungen sowohl meiner Schülerinnen und Schüler als auch meiner Kolleginnen erfasst.  

 

Fragen an die Schülerinnen und Schüler

Muschkowski: Beschreibt kurz, aus welchen Unterrichtssituationen ihr LOGICO kennt und wann ihr damit arbeitet und lernt?

Leona: 

Ich kenne LOGICO zum Beispiel aus dem offenen Unterrichtsanfang. Bevor der Unterricht morgens beginnt, haben wir die Möglichkeit, uns mit verschiedenen Materialien zu beschäftigen. Dabei wählen wir selbstständig eine Karte aus einer Box aus und bearbeiten diese. Wenn wir etwas Bestimmtes aus dem Deutsch-, Mathematik- oder Englischunterricht wiederholen oder üben möchten, nehmen wir uns eine Karte aus der Themen-Box. (Dabei handelt es sich um Karten, die sich thematisch und kompetenzorientiert auf den Inhalt des Regelunterrichts beziehen und die ich bereits zu Beginn einer Unterrichtsreihe für die Kinder zusammenstelle.) 

Wangyu: 

Mit LOGICO lerne ich zu Hause und in der Schule. Da ich, als ich in die Schule kam, kaum Deutsch sprach, gab Frau Muschkowski mir das Hör-LOGICO (Vorkurs zur DaZ-Box) und einen Discman mit nach Hause. Ohne zu lesen, konnte ich dann nur über das Gehörte und die Bilder die verschiedenen Aufgaben lösen.  
Ich behielt immer mehr Wörter und lernte, wie man diese richtig ausspricht. Auch im Förderunterricht in der Schule arbeiten wir regelmäßig mit LOGICO. Unter anderem nutzen wir die Bilder der Karten, um zu erzählen, neue Wörter zu lernen sowie Sätze richtig zu formulieren. 

Janne: 

Häufig dürfen wir auch im Deutsch-, Mathematik- oder Englischunterricht – wenn wir die gestellten Aufgaben bearbeitet haben – zu LOGICO-Übungsrahmen mit bereits vorgegebenen Karten greifen. (Dabei handelt es sich um Karten, die an den zuvor besprochenen Inhalt der Stunde anknüpfen und thematisch das aufgreifen, was die Kinder vorher zunächst meist schriftlich bearbeitet haben.)  

Pablo: LOGICO - Interview Bild 1

Am häufigsten arbeiten wir aber während der Wochenplan- und Freiarbeit mit LOGICO. In freien Arbeitsphasen (die sich vor allem an die Beendigung des Wochenplans anschließen) können wir je nach Lust und Interesse entweder alleine oder mithilfe von Frau Muschkowski mit LOGICO arbeiten und lernen. 

Muschkowski: Pablo, du sagtest, dass ihr vor allem während der Wochenplanarbeit mit LOGICO lernt. Könntest du genauer erklären, wie das abläuft?

Pablo:

Jedes Kind bekommt montags einen Wochenplan mit unterschiedlichen Aufgaben in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Im unteren Abschnitt des Wochenplans notiert Frau Muschkowski, welche Karten (Kartennummer) wir aus welchem Bereich (Symbol – oben rechts auf der Karte), alleine oder mit einem Partner, bearbeiten sollen und ob wir dazu einen Discman oder CD-Player benötigen (LOGICO-Box „English for Beginners“). Nach und nach suchen wir uns dann selbst unsere Karten aus den einzelnen Boxen heraus und bearbeiten diese so, wie es in unserem Wochenplan steht. 

Muschkowski: Pablo erwähnte, dass ihr gelegentlich auch in Partnerarbeit mit LOGICO lernt. Wie genau muss man sich das vorstellen?   

Leona: 

Während der Wochenplanarbeit oder im Englischunterricht bearbeiten wir die LOGICO-Karten häufig gemeinsam mit einem Partner, vor allem dann, wenn wir die Wörter oder Texte der Karten nicht auf CD hören. Wir wechseln uns ab, sprechen über die Aufgaben und geben uns gegenseitig Tipps, wenn wir ein Wort oder einen Satz nicht lesen oder verstehen können. Gemeinsam können wir die Aufgaben dann fast immer richtig lösen, ohne den Lehrer um Hilfe zu bitten.

Vincent: 

Manchmal arbeite ich auch mit einem Partner, wenn es um eine Zusatzaufgabe auf der Rückseite der LOGICO-Karten (Schreib-/Gesprächsanlässe sowie Forscheraufträge – beispielsweise in der Box „Lesewege“) geht. Den Partner brauche ich dann, um mich mit ihm zu besprechen und um gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.   

Muschkowski: Wie bzw. wo haltet ihr eure Ergebnisse fest?

Janne: 

Nachdem ich eine LOGICO-Karte beendet und mithilfe der Rückseite kontrolliert habe, markiere ich die entsprechende Kartennummer mit einem Buntstift oder einem kleinen Aufkleber in meinem Lerner-Mini. 

LOGICO - Interview Bild 3Leona: 

Habe ich bei der Bearbeitung einer Karte viele Fehler gemacht, schreibe ich die Fehlerzahl dazu und löse die gleiche Karte dann später nochmal. Inzwischen finde ich das auch nicht mehr so schlimm, da ich weiß, dass ich mich dadurch besser auf die Lernzielkontrollen (dieser Begriff ist meinen Schülerinnen und Schülern bekannt und bezieht sich auf alle schriftlichen Arbeiten und Lernstandskontrollen) vorbereiten kann.
 

Muschkowski: Wann und wozu schreibt ihr die Lernzielkontrollen?

Vincent: 

Wenn wir einen Bereich komplett bearbeitet haben, schreiben wir meistens eine passende Lernzielkontrolle (da alle Kinder an unterschiedlichen Boxen und Themenbereichen arbeiten, erfolgt die Bearbeitung der Lernzielkontrolle, die sich in den Begleitheften befinden, thematisch und zeitlich sehr individuell und meist während der freien Arbeitsphasen). Kurze Zeit später bespricht Frau Muschkowski dann das Ergebnis (ohne Notenvergabe) mit uns und entscheidet, ob wir nochmal etwas Bestimmtes üben oder wiederholen müssen.   

Muschkowski: Erklärt, warum euch die Arbeit mit LOGICO gut gefällt?

Janne: 

Mir gefällt die Arbeit mit LOGICO gut, weil ich mir oft selbst aussuchen kann, was ich üben, lernen oder wiederholen möchte. In freien Arbeitsphasen kann ich mich für leichtere oder schwere Aufgaben entscheiden und selbst bestimmen, wie lange und wie viel (LOGICO PICCOLO oder LOGICO MAXIMO) ich übe.

Wangyu: 

Dass ich nicht in einem Buch arbeiten oder ins Heft schreiben muss, gefällt mir am besten. Mit LOGICO kann ich direkt beginnen, ohne dass ich verschiedene Arbeitsmaterialien heLOGICO - Interview Bild 2rausholen oder zusammensuchen muss.   

Leona: 

Ich finde gut, dass ich meine Ergebnisse selbst kontrollieren darf und in meinem Lerner-Mini notieren kann, was ich geschafft habe. So verliere ich keine Zeit und kann jederzeit sehen, welche Karten ich bereits bearbeitet habe und wo ich beim nächsten Mal weitermachen kann.

Pablo: 

Am besten gefällt mir an LOGICO, dass es Aufgaben gibt, bei denen ich richtig nachdenken muss. Häufig lerne ich etwas Neues dazu oder kann mich in einem Bereich verbessern. 

Vincent: 

Ich finde gut, dass ich mir auf der Rückseite der Karten Hilfe holen oder die Karten auch mit einem anderen Kind bearbeiten kann, wenn ich unsicher bin und nicht weiter weiß.    

Muschkowski: Gibt es Schwierigkeiten bei der Arbeit mit LOGICO oder gibt es etwas, was euch an diesem Material nicht so gut gefällt? 

Nach kurzer Diskussion sind sich alle Schülerinnen und Schüler einig und beantworten die Frage mit einem eindeutigen NEIN. 

Muschkowski: Stellt euch vor, ihr könntet im Verlag an neuen LOGICO-Projekten mitarbeiten. Welche Ideen hättet ihr?   

Leona:

Ich würde weiße LOGICO-Karten herstellen. Dann könnte sich jedes Kind zu seinem Lieblingsthema Aufgaben überlegen und eigene Karten basteln. Außerdem könnte jeder selbst bestimmen, wie viele Aufgaben es geben soll und welche Farben die Knöpfe bekommen. 

Vincent: 

Ich würde eine LOGICO-App (Applikation)* oder ein LOGICO-Computerprogramm entwickeln. Dann könnte ich überall sofort mit LOGICO arbeiten und müsste nicht mehr auf einen Übungsrahmen oder eine bestimmte Karte warten. 

Dieses Interview zeigt deutlich, dass bereits Kinder eines zweiten Schuljahres in der Lage sind, sich ganz bewusst und differenziert mit ihren Unterrichtsmaterialien auseinanderzusetzen und dass sie LOGICO als eine Möglichkeit erleben, ihr individuelles Lernen mitzugestalten und zu reflektieren. 


Fragen an die Kolleginnen

Auch die nachfolgenden Ergebnisse der Befragung meiner Kolleginnen zeigen, wie bedeutsam der Einsatz und die Umsetzung des LOGICO-Materials in diversen Unterrichtssituationen und -phasen sein können und dass LOGICO eine Individualisierung und Differenzierung ihres Unterrichts erleichtert. 

Beispielsweise antworteten meine Kolleginnen auf die Frage, warum sie LOGICO in ihrem Unterricht einsetzen und welche Vorteile bzw. Lernchancen sie in diesem Arbeitsmaterial sehen, mit der hohen Motivation, die durch die Gestaltung und die klare Handhabung des Materials gegeben ist, der Möglichkeit zur Differenzierung und individuellen Förderung sowie der Chance, ihre Schülerinnen und Schüler mit sinnstiftenden Aufgaben zu konfrontieren. Weiterhin stellten sie als besonders gewinnbringend für ihre Unterrichtsgestaltung heraus, dass die Schülerinnen und Schüler in ihrem individuellen Tempo arbeiten können, sie dazu befähigt werden, ihre Ergebnisse selbst zu kontrollieren bzw. zu notieren und dass ihnen begleitende Materialien zur Beobachtung, Dokumentation und Lernstandserhebung in den Begleitheften zur Verfügung stehen. 

Die Einschätzung meiner Kolleginnen hinsichtlich der Frage, wie gerne ihre Schülerinnen und Schüler mit LOGICO arbeiten und lernen, ergab, dass sich nahezu alle Kinder – vor allem während der Wochenplan- oder Freiarbeit – sehr gerne und über einen längeren Zeitraum mit LOGICO auseinandersetzen.  

Als Begründung kann zusammengefasst werden, dass die Inhalte und Themen kindgerecht und ansprechend aufgearbeitet wurden, eine direkte Rückmeldung durch die Möglichkeit der Selbstkontrolle erfolgt und die Schülerinnen und Schüler nicht schreiben müssen. 

Bezüglich meiner Frage nach eventuellen Schwierigkeiten rund um LOGICO gaben meine Kolleginnen an, dass der Einsatz dieses Materials mit Blick auf einen individualisierten und differenzierten Unterricht eine arbeitsintensive Vorbereitung und Auseinandersetzung erfordert. (An dieser Stelle wurde ebenfalls angemerkt, dass dies grundsätzlich für alle Materialien gilt.) 

Ich für meinen Teil fühle mich – vor allem durch die Ergebnisse der Schülerinterviews – darin bestätigt, dass es sich lohnt, sich differenziert mit LOGICO auseinanderzusetzen, es langfristig im Unterricht zum Fördern und Fordern zu integrieren und die begleitenden Materialien zu nutzen. So habe ich das Gefühl, dem geforderten Anspruch wieder etwas näherzukommen, meine Schülerinnen und Schülern dort abzuholen, wo sie stehen. 

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* Unserer Schule stehen im Rahmen des Medienpass-Projekts der Düsseldorfer Grundschulen mehrere Tablet-PCs zur Verfügung, die ihren regelmäßigen Einsatz im Unterricht finden. Demnach sind die Kinder mit dem Umgang und der Handhabung jener Geräte vertraut.

Andrea Muschkowski ist Lehrerin an einer Düsseldorfer Grundschule und Mitautorin der LOGICO-Boxen „Sprache untersuchen“ und „Lesewege“.


© Finken-Verlag, 2012
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