Praxisbericht Konrad und Rita machen einen Ausflug

von Tanja Dopf

Gruppengröße / Altersstruktur: 6 Kinder zwischen 2,5 und 5,5 Jahren (davon ein Integrativ-Kind und ein Kind, das sehr wenig spricht, aber alles versteht).

 

Einführung: Konrad und Rita stellen sich vor

Handpuppe Konrad und Fingerpuppe RitaZur Vorbereitung habe ich in unserem Bewegungsraum eine Bewegungslandschaft aufgebaut. Das ist im Material nicht vorgegeben, lässt sich aber durch den Inhalt der Geschichte gut gestalten. Zum Erzählen der Geschichte und für Gespräche, habe ich aus Teppichfliesen einen Halbkreis am Rand des Raumes gelegt. Konrad und Rita stellten sich vor, indem ich die Einführungsgeschichte erzählte und dazu beide Figuren (als Finger- bzw. Handpuppe) einsetzte. Schon während der Geschichte wollten die Kinder die Bewegungen umsetzen, so dass wir uns alle spontan in Konrad und später in Rita „verwandelten“ und ihre Charaktere ausprobierten. Dabei bewegte sich Rita flott und rannte durch den Raum, Konrad ging zögerlich und langsam.

Danach ging es zum Aufwärmen ganz gemütlich - wie Konrad es mag - über die Bewegungslandschaft, dort gab es:

  • eine Langbank, über die sich Konrad ganz langsam in Bauchlage zog,
  • die Sprossenwand, die langsam hoch- und auch wieder heruntergeklettert wurde,
  • eine wacklige Bank über die er sehr vorsichtig balancierte und
  • einen Tunnel durch den er schlich.

Danach gab es richtig Action, als Rita Rennmaus gingen die Kinder mit viel Energie und Tempo über den Parcours. Dabei hatten sie enorm viel Spaß und waren etwa 20 Minuten kaum zu bremsen. Anschließend durften die Kinder erzählen, welches Tier sie lieber wären. Jedes Kind konnte sich - entsprechend seiner eigenen Verhaltensweisen - eher mit Konrad oder mit Rita identifizieren. Selbst Kinder, die schlecht oder wenig sprechen, zeigten anhand des Plüschtiers, welches Tier sie lieber wären.

 

Geschichte: Konrad und Rita machen einen Ausflug

Zur nächsten Bewegungseinheit las ich zuerst die Geschichte vor. Zur Geschichte gibt es fünf Spiele:

(1) Känguru wecken (Aktivieren), (2) Slalomlauf (Gestalten und Bauen), (3) Maulwurfshügel springen (Kooperation), (4) Geschichten-Quiz (Darstellen), (5) Schokoladenkuchen (Entspannung).

Bereits bei der Überschrift der Geschichte waren die Kinder begeistert und wollten gleich selbst einen Ausflug machen. Das machten wir dann in spielerischer Weise anhand der o.g. Spiele. Da ich in meiner Kita-Gruppe auch „besondere“ Kinder mit entsprechenden Stärken aber auch Schwächen betreue, habe ich die Geschichte teilweise unterbrochen und z.B. das erste Spiel zum Aufwärmen in die Geschichte eingefügt. So konnte ich die Konzentrationsphasen beim Zuhören kürzen, indem ich dem Bewegungsdrang der Kinder nachkam.

Spiel 1 „Känguru wecken (Aktivieren)“: Ein Kind spielt Konrad, das schlafende Känguru. Die anderen Kinder berühren ihn vorsichtig, um ihn zu wecken. Schließlich wachte er auf und ruft: „Konrad ist wach!“ Er fängt ein Kind, das dann Konrads Rolle übernimmt. Ein Kind, das “Konrad ist wach!“ nicht sagen konnte, äußerte durch einen Laut und Gestik, dass es wach war und nahm so auch aktiv am Spiel teil.Konrad und Rita Hindernislauf

Spiel 2 „Slalomlauf (Gestalten und Bauen)“: Das Spiel lässt sich durch unterschiedliche Turn- oder Alltagsmaterialien (Kartons, Stühle, etc.) umsetzen. Die Kinder hatten viele Ideen, mit den Materialien den Weg von Konrad und Rita nachzubauen. Mir war dabei wichtig, dass alle Kinder ihre Ideen äußern konnten, es gab kein richtig oder falsch.

Spiel 3 „Maulwurfshügel springen (Kooperation)“: Dieses Spiel kam bei mir und den Kindern sehr gut an und zeigte wie hilfreich es ist, einen Freund zu haben, der einem hilft, wenn man etwas alleine nicht so gut kann. Mir war wichtig, dass jedes Kind einmal die führende und einmal die nachahmende Rolle übernimmt. Besonders wichtig war mir dabei, dass jedes Kind selbst entscheiden konnte, welche Rolle es bevorzugt und ihm besser liegt (Partizipation). Ich war begeistert, dass alle Kinder spüren konnten, was es bedeutet zu führen bzw. sich führen zu lassen, denn nur so entwickeln Kinder ein Gespür für Empathie.Konrad und Rita Kuchen

Spiel 4 „Geschichten-Quiz (Darstellen)“: Diese Spielidee habe ich relativ kurz gehalten, da in der Kleingruppe ein Kind unter drei Jahren und ein integratives Kind dabei waren. Auch hier war mir die Partizipation sehr wichtig.

Spiel 5 „Schokoladenkuchen (Entspannung)“: Dieses Spiel liebten die Kinder besonders. Jedes Kind war einmal Masseur und wurde einmal selbst massiert. Dazu ließ ich leise Entspannungsmusik laufen.

Am Ende dieses Spiels wollten die Kinder unbedingt einen Kuchen für Konrad backen, was ich als Sprachförderangebot nutzen konnte, denn dazu mussten wir gemeinsam die Zutaten für den Teig und die Verzierung des Kuchens besprechen.

 

Mein Fazit

Das gesamte Material ist sehr hochwertig gestaltet. Die Aktionsseiten sind aus stabilem, dickem und wasserabweisendem Material. Handbuch und Geschichtenbuch sind separat gebunden und in den Ordner eingeheftet. Alle Geschichten und Aktionskarten sind kindgerecht illustriert, die Kinder wollten die Bilder auch immer sehen. Bei allen Spielen können sich die Kinder sprachlich beteiligen UND sich bewegen. Alle Spiele lassen sich mit etwas Geschick auch mit Kindern, die wenig über Sprache kommunizieren, umsetzen.

Die einzelnen Geschichten können Anregung für weitere Aktionen sein, z.B. Malen, Kuchenbacken, Ausflug, etc. Ich und vor allem die Kinder möchten Konrad und Rita nicht mehr missen, sie wohnen jetzt bei uns in der Kita, nehmen aktiv am Gruppengeschehen teil und bieten uns immer wieder Bewegungsmöglichkeiten, bei denen die Sprache im Vordergrund steht.

Tanja Dopf, Erzieherin in einer Ganztageseinrichtung

 

© Finken-Verlag, 2016

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Konrad und Rita