Die Kartei "Der Sprache auf der Spur" im Unterricht

von Katja Möhring

Der Sprache auf der SpurIm 3. Schuljahr steht die weiterführende Behandlung der Wortarten auf dem Lehrplan, die bereits im 2. Schuljahr eingeführt wurden. Mithilfe der Angebote in der Kartei können Kinder gezielt und auf differenzierten Wegen Strukturen und Regelmäßigkeiten von Wortarten entdecken, erproben, üben und vertiefen. Dabei werden notwendige Fachbegriffe immanent gelernt und gefestigt. Dadurch werden Inhalte vertieft und erworbene Strategien bewusst gemacht.

In der erprobten und hier vorgestellten Einheit Nomen/Substantive geht es um:

  • das Sammeln und Ordnen von Wörtern,
  • das Strukturieren von Wörtern und Kennenlernen von Möglichkeiten der Wortbildung sowie
  • das Kennenlernen und Verwenden grundlegender sprachlicher Strukturen.

Damit die Kinder die Kartei selbstständig bearbeiten können, wird ihnen zunächst anhand eines Beispiels das Kapitel Nomen unter Zuhilfenahme der Tippkarten erklärt. Auf den Tippkarten finden die Kinder Erklärungen und Beispiele zum jeweiligen grammatischen Phänomen. Verweise auf den Karten erleichtern ihnen das Auffinden dieser Tipps.

Da die Karteikarten sehr übersichtlich und strukturiert zusammengestellt sind, finden sich die Kinder ohne viel Mühe zurecht. Farben und Symbole erleichtern die Sortierung und ermöglichen klare Hinweise bei der Verwendung in Arbeits- und Förderplänen.

Tipp: Die Piktogramme der Kapitel nutzen wir häufig für die Gestaltung von Förderplänen. Sie sind auf der CD zu finden.

Alle Aufgaben sind so eindeutig gestellt, dass die Kinder individuell ein Phänomen auswählen und daran arbeiten. Die Ergebnisse kontrollieren sie selbstständig mit dem Lösungsheft.

Bei vielen Aufgabenstellungen werden kooperative Methoden angeregt. Dabei tauschen die Kinder in selbst gewählten Lerngruppen ihre sprachlichen Entdeckungen und ihr Wissen aus. In heterogenen Lerngruppen ist dieses Lernen von besonderer Bedeutung. Leistungsschwächere und leistungsstärkere Kinder arbeiten zusammen und lernen voneinander. Durch die gemeinsame Arbeit entwickeln sie auch soziale Kompetenzen. In der Kartei werden 5 verschiedene Methoden vorgestellt und genutzt.

Lerner MiniDie Arbeitsaufträge sind so gestaltet, dass sie teils im Heft und teils mithilfe einer Folientasche direkt auf der Karte bearbeitet werden. Entsprechende Taschen und trocken abwischbare Folienstifte liegen der Kartei bei. Es hat sich bewährt, dass jedes Kind einen Folienstift und eine Folientasche besitzt.

Tipp: In unseren Klassen stehen diese Materialien direkt auf der Anschaffungsliste des 1. Schuljahres, da sie für viele Karteien, Stationsarbeiten und Werkstätten hilfreich sind.

Bearbeitete Karten halten die Kinder in ihrem Lerner-Mini fest (Kopiervorlage Begleitheft). Mit diesem Lernbegleiter behalten sie selbst die Übersicht. Zu jedem Themenbereich bietet das Begleitheft Selbsteinschätzungsbögen, sodass Lernzuwächse deutlich werden.

Tipp: Für die Vorbereitung zu Hause ist es sinnvoll, das Begleitheft vor Ort zu haben. Gemeinsame Phasen, individuelle Förderpläne oder Förderstunden lassen sich mit den Übersichten problemlos planen.

Inhalte Grammatikkartei

 

Praxisbeispiele A  – gemeinsame Arbeit

Zu Beginn des 3. Schuljahres werden die Wortarten wiederholt. Gerade diese etwas „trockeneren“ Themen lassen sich mit kooperativen Methoden gewinnbringend erarbeiten und vertiefen. Die Gruppenbildung findet mithilfe unterschiedlicher Methoden statt – Line up, Verabredungskalender oder Farbkarten seien hier nur kurz genannt (weitere Ideen finden sich im Methodenprofi des Finken-Verlages). Will man die Gruppenbildung stärker lenken, können zum Beispiel Farbkarten gezielt an Kinder verteilt werden.

Tipp: Besonders leistungsschwachen Kindern wird ein mittelstarker Partner an die Seite gesetzt; leistungsstarke Kinder arbeiten gemeinsam in einer Gruppe.

Der Einstieg

Nomen Karte 1 Vorderseite Nomen Karte 1 Rückseite

Den Nomen „auf der Spur“ sind die Kinder, indem sie mittels der kooperativen Methode Think · Pair · Share zunächst ihr Wissen über Nomen sammeln. Mit dieser Methode wird jedes einzelne Kind gefordert statt überfordert. So können sich auch leistungsschwache Kinder sinnvoll in die Gruppe einbringen.

Tipp: Bei Gruppenarbeiten zu einem gemeinsamen Thema können die Karten für jeden Tisch kopiert werden.

Alternative Formen, um das Wissen zu einem Themenbereich zu sammeln, sind auf den Einstiegskarten zu allen Wortarten zu finden: Interview, Post-it® Brainstorming oder Cluster bieten jeweils einen kooperativen Einstieg ins Thema.

Anschließend überprüfen und reflektieren die Kinder ihr Wissen anhand von Aussagen.

Schließlich stehen Tätigkeiten wie das Bestimmen, Erkennen, Sammeln oder Bestimmen von Wörtern im Vordergrund. Auch hier arbeiten die Kinder kooperativ und sinnstiftend.

Nach dieser gemeinsamen Lernzeit schließt sich die individuelle Förderung an.

 

Praxisbeispiel  B – Förderplan

In regelmäßigen Abständen ermitteln wir den weiteren Förderbedarf der Kinder auf der Grundlage von Selbsteinschätzungsbögen und bearbeiteten Karten. Die erkannten Schwerpunkte bilden die Grundlage für die Erstellung eines individuellen Förderplans. Hierzu nutzen wir das Lerner-Mini. Karten, die die Kinder bearbeiten sollen, werden mit einem Strich markiert. Nach Beendigung ihrer Arbeit malen die Kinder den ganzen Kreis aus. Möchte man zusätzlich eine Rückmeldung über den individuell empfundenen Schwierigkeitsgrad erhalten, können Kinder die Kreise in Ampelfarben markieren (z.B. rot für Das war schwierig.)

Lerner-Mini Fächer im Klassenraum

Förderpläne und Karteikarten, die gerade in Bearbeitung sind, bewahren die Kinder in ihren „Fächern“ auf.

Die übliche Sitzordnung wird während der Übungszeit aufgelöst. Die Kinder ordnen sich je nach individuellem Förderschwerpunkt den unterschiedlichen Karteikarten an den Gruppentischen zu. So können mehrere Kinder gleichzeitig an einer Karte arbeiten.

Förderstunde runder TischSchilderDie „Förderstunde“ hat in dieser Klasse keinen Einzelblock von 45 Minuten in der Stundentafel – sie wird aufgeteilt. So beginnt der Unterricht an drei Tagen in der Woche mit der „Förderplan-Zeit“. Ca. 20 Minuten arbeiten alle Kinder an ihren Förderplänen im Bereich Grammatik.

Am „runden Tisch“ treffen sich Kinder mit Schwierigkeiten, um mit Unterstützung der Lehrerinnen zu arbeiten. Ein STOPP-Schild signalisiert: „Bitte nicht stören“.

Tipp: Der Rettungsring steht während dieser Zeit bei einem Kind, das Fragen beantworten kann. Das andere Zeichen signalisiert das „Fertig-Büro“. Hier schauen Kinder erledigte Arbeiten nach.


Wenn Probleme aus anderen Bereichen (Rechtschreiben, Lesen, Texte schreiben) in der Förderzeit bearbeitet werden sollen, arbeiten wir mit sogenannten Förderkarten.

Diese Förderkarten im A6-Format listen individuell für jedes Kind die jeweiligen Materialien und Medien zu den aktuellen Schwerpunkten auf.

Durch die Anschaffung einiger Karteien lässt sich die Kopierflut deutlich reduzieren. So stehen der Klasse neben der Kartei „Der Sprache auf der Spur“ folgende Karteien aus dem Finken-Verlag zur Verfügung:
- LOGICO PICCOLO Lesefreude
- LOGICO MAXIMO Lesewege
- LOGICO PICCOLO Richtig schreiben in 16 Lernstufen
- Mit Füller, Farbe & PC · Jahreszeitliche Gedichte-Kartei

Und was ist mit der Arbeitsbelastung für die Lehrerin? Wie beruhigend: Niemals sind alle Kinder mit ihrem Förderplan gleichzeitig fertig. Die Lehrerin muss also nicht am Wochenende gleich 25 neue Förderpläne erstellen. Sukzessive entstehen die Förderpläne je nach Voranschreiten des einzelnen Kindes.

 

Praxisbeispiel C – Freiarbeit

Sprachspiele Karte 8Eine weitere Möglichkeit ist, dass sich die Kinder nach eigenen Interessen Karten aussuchen oder empfehlen lassen. Gemeinsame Beratungsgespräche begleiten die Aktivitäten der Kinder. Einzelnen Kindern werden entsprechend ihrer unterschiedlichen Förderschwerpunkte gezielt Karten empfohlen.

Die Vorlieben sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Einige Kinder bearbeiten besonders gern Karten mit Folientaschen-Aufgaben, andere suchen gezielt die kooperativen Aufgaben heraus. Auch Karten aus dem Bereich Sprachspiele werden gern ausgewählt.  

Arbeiten Kinder in der Freiarbeit mit der Kartei, halten sie ihr Voranschreiten auch im Lerner-Mini fest und behalten somit den Überblick über ihre Arbeit.

Wenn die Kinder eigene Ablagen besitzen (s.o.), kann die Lehrerin bei beobachteten Problemen ausgewählte Karten einzelnen Kindern ins Fach legen. Aufgaben aus den Fächern haben Priorität vor der Freiarbeit – diese Regel ist allen Kindern bekannt. So wird Freiarbeit mit gezielten Förderangeboten aus der Grammatikkartei ideal kombiniert.

 

Insgesamt lässt sich die Kartei „Der Sprache auf der Spur“ vielfältig im Unterricht einsetzen. Durch die unterschiedlichen Bearbeitungsmöglichkeiten kann sie zu Beginn von Lernprozessen genutzt werden oder aber zur Vertiefung, zur individuellen oder gemeinsamen Arbeit und zur selbstständigen oder gelenkten Arbeit. Alle wichtigen Themen des Bereichs „Sprache untersuchen“ werden abgedeckt – und die Forderungen der Lehrpläne werden damit erfüllt.  

Katja Möhring, Grundschullehrerin in Greven.

© Finken-Verlag, 2014
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Mehr Informationen zur Grammatikkartei "Der Sprache auf der Spur" finden Sie unter:
Zur Grammatikkartei
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