Vom Einsatz der Finken-Trainer Kopfrechnen 1 und 2 in einem 2. Schuljahr

von Catrin Odenthal und Melanie Mirabile

Der Lehrplan Mathematik des Landes NRW beinhaltet im Bereich Zahlen und Operationen unter anderem den Schwerpunkt „Schnelles Kopfrechnen“. Dort werden als Kompetenzen vor allem das schnelle Erfassen strukturierter Anzahlen, das Ergänzen aber auch das kleine Einspluseins sowie das kleine Einmaleins aufgelistet. Immer wieder fällt auf, wie groß die Schwierigkeiten der Kinder beim Kopfrechnen sind, insbesondere im Bereich des Zehnerübergangs und somit im späteren Verlauf auch im Hinblick auf das Lernen des kleinen Einmaleins. Strukturiertes und vor allem individuelles Üben in einer klar definierten Lernumgebung gilt dabei als Basis erfolgreichen Lernens und ist im Mathematikunterricht Voraussetzung für automatisiertes und flexibles Rechnen. Dies ist in den meisten Fällen ohne den Druck von Konkurrenz in künstlichen Lernsituationen (wie z.B. beim Eckenrechnen) nur schwer leistbar.

Die Finken-Trainer Kopfrechnen 1 und 2 bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten, die genannten Kompetenzen und das individuelle Lernen auf einfache Weise kontinuierlich zu fördern und trotzdem das soziale Arbeiten mit einem Partner oder in einer Gruppe nicht zu vernachlässigen.

Im Folgenden wird die Konzeption des Materials kurz erläutert, um danach einige Einsatzideen innerhalb des Unterrichts aufzuzeigen. Das Material besteht aus zwei Kopfrechenboxen, die in verschiedene Lernbereiche des Mathematikunterrichts gegliedert sind. Jeder Lernbereich ist, für die Kinder verständlich, mit einem Tiersymbol versehen.

In der Kopfrechenkartei für die 1. Klasse werden die Bereiche

  • Addition und Subtraktion bis 10
  • Addition und Subtraktion ohne und mit Zehnerübergang bis 20 sowie die
  • Zehnerzahlen bis 100

behandelt. Die Kopfrechenkartei für die 2. Klasse steigert den Schwierigkeitsgrad und beinhaltet die Bereiche

  • Wiederholung im Zahlenraum bis 20
  • Addition und Subtraktion ohne und mit Zehnerübergang bis 100
  • Multiplikation und Division

 

Finken-Trainer Kopfrechnen Bild 3 Abb. Rechentaschen

Innerhalb dieser Bereiche gibt es eine gewisse Anzahl an doppelseitigen Aufgabenkarten, auf denen stets 18 verschiedene Aufgaben speziell zum jeweiligen Kompetenzbereich aufgeführt sind. Dabei ist zu erwähnen, dass alle Aufgabenkarten nach dem gleichen Prinzip aufgebaut sind. So finden sich die Kinder nicht nur besonders schnell zurecht, sondern können auch problemFinken-Trainer Kopfrechnen Bild 2 Finken-Minilos in den verschiedenen Boxen arbeiten und ihr Lernen eigenständig an die Gegebenheiten anpassen.

Der Schwierigkeitsgrad wird auf jeder Karte durch einen (Vorderseite) oder zwei Punkte (Rückseite) gekennzeichnet, sodass noch einmal differenziert werden kann. Die bereits erläuterte und vom Kind selbstständig gewählte Aufgabenkarte wird in die dafür vorgesehene Rechentasche geschoben und bearbeitet. Dabei stehen drei verschiedene Rechentaschen zur Verfügung (grün, rot, blau), die den Schülern nicht nur eine zusätzliche Differenzierung, sondern auch eine sofortige Selbstkontrolle ermöglichen. Die grüne Rechentasche erfordert das Ausrechnen des Ergebnisses (Summe, Differenz, Produkt oder Quotient). Mithilfe der roten Tasche muss der 2. Summand bzw. Subtrahend errechnet werden. Die blaue Rechentasche erfordert das Errechnen des 1. Summanden bzw. des Minuenden.

Diese enorm große Vielfalt der Differenzierung innerhalb eines Materialpaketes ermöglicht nicht nur den Kindern, sondern auch der Lehrkraft eine Fülle von Chancen im Mathematikunterricht. Die beigelegte CD bietet zudem sinnvolles Zusatzmaterial, wie z.B. Kopfrechenblätter, Lesezeichen für die Karteien, Protokollbögen, Blanko-Karten und auch Kopfrechen-Minis, auf denen die Kinder bereits bearbeitete Aufgabenkarten vermerken können. 

Einsatz im Mathematikunterricht

Durch die Vielfalt der Differenzierung sind verschiedene Einsatzmöglichkeiten für die Finken-Trainer Kopfrechnen denkbar. Grundsätzlich lässt sich der Trainer immer wieder in der Freiarbeit einsetzen. Außerdem sind kleinere Rechenspiele an Tischgruppen (Gruppenarbeit), aber auch feste Rechenzeiten zu Beginn jeder Mathematikstunde durchaus denkbar.

 

Zwei Berichte aus der Praxis:

 

2. Schuljahr (GGS in Wuppertal) 

In meinem Unterricht wird der Kopfrechentrainer als fester Bestandteil zu Beginn jeder Mathematikstunde in einer festgelegten „Kopfrechenzeit“ eingesetzt. Die Kinder nutzen die ersten zehn Minuten des Unterrichts, um allein oder mit einem Partner an einem selbstständig gewählten Bereich zu arbeiten.

Zu Beginn der Stunde holen sich die Tischgruppen in einer festgelegten Reihenfolge eine neue oder die am Vortag begonnene Aufgabenkarte aus der jeweiligen Kartei. Ein ausgewähltes Kind verteilt in dieser Zeit die Finken-Minis, in denen die Kinder die bereits bearbeiteten Aufgabenkarten abhaken können. So hat jeder eine klare Übersicht über bereits geleistete Aufgaben und kann zudem konkret noch fehlende Karten aus der Box holen.

Die Rechentaschen wählen die Kinder gleichzeitig mit den Aufgabenkarten. Schwache Kinder arbeiten zunächst ausschließlich mit grünen Rechentaschen, um das Grundprinzip einer Aufgabe begreifen zu können. Grundsätzlich bietet die freie Wahl der Rechentasche den Kindern die Chance, sich und sein Können realistisch einzuschätzen. Auf dem für jedes Kind bereitgestellte und von mir an die Lernsituation angepasste Kopfrechenblatt kann die gewählte Aufgabennummer, der Schwierigkeitsgrad (ein oder zwei Punkte) und auch das Tiersymbol vermerkt werden.  

Finken-Trainer Kopfrechnen Bild 4 Ergebnissblatt
Finken-Trainer Kopfrechnen Bild 5 Ergebnissblatt

 

Die Kinder malen hierbei den Punkt, hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades, in der Farbe der jeweiligen Rechentasche aus. So haben sie die Möglichkeit am nächsten Tag unverzüglich auf die eventuell nicht vollständig bearbeitete Aufgabenkarte zuzugreifen. Auch das Ende der Kopfrechenzeit ist klar durch den Gong definiert und folgt dem festen Ablauf der Tischgruppen, wobei auch hier wieder ein Kind alle Rechentaschen einsammelt und ein anderes für das Einsammeln der Finken-Minis zuständig ist. Dieser ritualisierte Ablauf gewährleistet eine zügige und effektive Lernzeit für jedes Kind, sodass ich darauffolgend sofort mit dem Mathematikunterricht beginnen kann.

Auch die Partnerarbeit ist individuell möglich, da sich beide Kinder eine jeweils für sie angemessen schwere Aufgabenkarte auswählen können, ohne dass eine Über- oder Unterforderung das Lernen behindert. Dies wird im Folgenden näher beschrieben.

2. Schuljahr (KGS in Düsseldorf) 

Ich versuche zu Beginn jeder Mathematikstunde eine kurze Kopfrechen-Phase von ca. fünf Minuten einzubauen, denn nur durch kontinuierliche Wiederholung ist es den Kindern möglich, wichtige Aufgaben nach und nach zu automatisieren und zunehmend flexibel zu rechnen. Diese Phase versuche ich durch verschiedene Spiele und Übungsformen abwechslungsreich zu gestalten. Eine Möglichkeit ist das Rechnen mit dem Kopfrechentrainer in Partnerarbeit. Um die zur Verfügung stehende Zeit nicht mit organisatorischen Dingen zu verbringen, ist der Ablauf der Arbeit mit der Kopfrechenkartei klar strukturiert.

Finken-Trainer Kopfrechnen Bild 6 Kinder am ArbeitenDamit kein Streit um das Material entsteht, darf jeweils ein Schüler des Teams – in Absprache mit seinem Partner – die Karten und Rechentaschen auswählen, mit denen in dieser Stunde gerechnet werden soll. Die Kinder stellen sich nun gegenseitig im Wechsel Aufgaben von der jeweils gewählten Karte und lösen diese mündlich. Ich verzichte in diesen Phasen bewusst auf eine Verschriftlichung der Ergebnisse, um den Schülern mehr Zeit für das tatsächliche Rechnen zu geben. 

Darüber hinaus steht der Kopfrechentrainer meinen Schülern auch in Phasen der Freiarbeit zur Verfügung. Hier haben sie die Möglichkeit, die auf der CD enthaltenen Arbeitsblätter und auch das Finken-Mini zu nutzen, um ihren Arbeitsprozess zu dokumentieren. Dies ist besonders für die Schüler sinnvoll, denen die schriftliche Vorlage der Aufgaben als Lernerleichterung dient.

Auch in der Gruppenarbeit kommt der Kopfrechentrainer gern zum Einsatz. Ein Kind übernimmt das Vorlesen der Aufgaben, während die anderen Gruppenmitglieder gegeneinander antreten und versuchen, die Ergebnisse so schnell wie möglich zu errechnen. Der Wettbewerbscharakter, der in der Gruppe entsteht, motiviert die Kinder und spornt sie zusätzlich an. Es wird ihnen außerdem verdeutlicht, dass das Gewinnen des Spiels von zwei entscheidenden Faktoren abhängt: Es muss nicht nur richtig gerechnet werden, sondern auch möglichst schnell gerechnet werden.

 

Unser Fazit

Finken-Trainer Kopfrechnen Bild 7 Kinder am ArbeitenEs bleibt zu vermerken: In Arbeitsphasen, in denen die Kinder auf die Arbeitsblätter zurückgreifen, kann ein bloßes Abschreiben der Ergebnisse leider nicht vollkommen verhindert werden. Eine mit den Kindern verständlich vereinbarte Zieltransparenz kann ihnen jedoch den Zweck der Aufgaben verdeutlichen. Ausgewählte Helferkinder können zudem immer wieder darauf achten, dass jedes Kind eigenständig am ausgewählten Material arbeitet.

Positiv fällt außerdem auf, dass sich die Kinder, nachdem sie sich mit dem Material vertraut gemacht haben, erstaunlich schnell selbst einschätzen können. Schwächere Schüler wählen gezielt Karten aus, die sie bearbeiten und zur Wiederholung nutzen können. Zusätzlich nutzen sie während der Freiarbeit oft die Möglichkeit allein und mit Unterstützung durch ein Arbeitsblatt zu rechnen. Starke Schüler messen sich hingegen gern innerhalb einer Gruppe beim „Wettrechnen“ und wählen auch in der Partnerarbeit Aufgabenkarten, die sie motivieren und herausfordern.

Zusätzlich lässt sich in der Partnerarbeit immer wieder beobachten, wie sich sowohl homogene als auch heterogene Teams gegenseitig beim Lernen unterstützen, sodass – scheinbar ganz nebenbei – auch das soziale Lernen angeregt wird. Gute Kopfrechner bieten ihre Hilfe an und geben Rechentipps, sodass schwächere Schüler wissen, dass sie sich bei Problemen jederzeit Hilfe und Unterstützung holen können.

Ein aus Lehrersicht unglaublich sinnvoller Aspekt ist letztlich die Gliederung der jeweiligen Themenbereiche. Stellt man bei einem Kind ein großes Defizit fest, sei es durch eine Leistungsüberprüfung oder die direkte Beobachtung, kann man dieses Kind konkret am ausgewählten Themenbereich arbeiten lassen, um die Kompetenzen noch einmal zu festigen.

 

Catrin Odenthal und Melanie Mirabilesind als Grundschullehrerinnen in Düsseldorf tätig.

© Finken-Verlag, 2014
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