Strukturierte und gezielte Förderung bei Rechenschwäche | Komm mit, rechne mit!

von Christine Albrecht

KOMM MIT – RECHNE MIT! ist ein Förderprogramm für rechenschwache Kinder. Als dieses Material neu an unserer Schule zur Verfügung steht, bin ich ganz gespannt auf die Umsetzungsmöglichkeiten. Sollte ein stärker zielgerichtetes Fördern damit möglich sein und dies sowohl bei unbekannten als auch bei bereits bekannten Lerngruppen? Sechs Ordner liegen vor mir, jeweils prall gefüllt mit Handlungsmaterialien (Plättchen, Zahlenkarten etc.), Handlungsaufträgen und Arbeitsblättern. Zu jedem Ordner gehört zudem ein umfangreiches Handbuch. Wo und wie fange ich an, mir einen Überblick zu verschaffen?

Ich bin Klassenlehrerin im 1. Schuljahr. Also suche ich mir zunächst den 1. Band „Wahrnehmung und Pränumerik“ und nehme mir das Handbuch vor. Positiv überrascht stelle ich fest, dass ich gleich zu Beginn des 1. Schuljahres einen Klassentest durchführen kann. Es wird doch ohnehin immer gefordert „die Kinder dort abzuholen, wo sie sind“. Besonders zum Schulbeginn kennt man die vielen verschiedenen Kinder kaum und weiß noch wenig darüber, ob und welche Vorkenntnisse sie mitbringen.

Mithilfe des Klassentests aus dem 1.Band überprüfe ich Bereiche wie z.B. „Visuomotorische Koordination“, „Wahrnehmungskonstanz“ oder „Anwendung räumlicher Begriffe“. Zeigen sich in diesen basalen Fähigkeitsbereichen Entwicklungsrückstände, so kann dies die mathematische Lernentwicklung blockieren. Darum ist es äußerst wichtig, sich diesen grundlegenden Fähigkeitsbereichen intensiv zu widmen.

Einige Kinder schneiden in allen Bereichen zufriedenstellend ab, viele Kinder zeigen punktuelle Auffälligkeiten  in einzelnen Fähigkeitsbereichen und vereinzelt sind auch umfassende Auffälligkeiten festzustellen. Die Ergebnisse notiere ich im Auswertungsbogen für den Klassentest. Damit habe ich eine Übersicht über die gesamte Klasse, sodass ein schneller Vergleich zwischen den Kindern möglich ist.

Um sicherzustellen, dass ein Kind in den ermittelten Bereichen tatsächlich einen Förderbedarf hat, setze ich nun die detaillierten Diagnosebögen ein, die zu jedem Fähigkeitsbereich zur Verfügung stehen. Die Auswertung zeigt, dass zwei Kinder doch insgesamt in weniger Bereichen gefördert werden müssen, als es zunächst erschien. Vielleicht hatten sie am Datum des Klassentests nur einen schlechten Tag oder waren unkonzentriert (wer weiß…). Nun kann ich mich in meiner Förderarbeit auf die auffälligen Bereiche konzentrieren. 

Nachdem die Risikobereiche erfasst wurden, lassen sich nun die entsprechenden Lernprozesse gezielt gestalten. Für die zu fördernden Kinder lege ich einen individuellen Protokollbogen an, in den ich zunächst die Ergebnisse des Klassentests und der Diagnosebögen eintrage.


Da die Kinder meist in unterschiedlichen Fähigkeitsbereichen Auffälligkeiten zeigen, stelle ich für jedes Kind ein individuelles Förderprogramm zusammen. Ob im Förderunterricht, in der Freiarbeit oder der Wochenplanarbeit – jedes Kind arbeitet an den Fähigkeitsbereichen, die seinem Lernbedarf entsprechen. 

Mithilfe der Handlungsaufgaben und Arbeitsblätter werden die Fähigkeitsbereiche durch unterschiedliche Lernzugänge kleinschrittig und intensiv gefördert. Das Handlungsmaterial bewahre ich an einem den Kolleginnen bekannten Ort gesammelt auf, sodass es jederzeit einsetzbar ist und von allen auch wirklich genutzt werden kann.

Hat ein Kind die komplette Fördereinheit durchlaufen oder ist schon frühzeitig ein deutlicher Lernfortschritt erkennbar, setze ich den Überprüfungsbogen zum jeweiligen Bereich ein. Durch ihn wird ersichtlich, ob ein Fördererfolg zu verzeichnen ist oder ob noch weitere Übungsschleifen – z.B. auch mithilfe der Zusatzbögen (Blanko-Arbeitsblätter) – erforderlich sind. Die Ergebnisse trage ich wieder in den individuellen Protokollbogen ein.

Die fortlaufenden Eintragungen im individuellen Protokollbogen verschaffen mir einen durchgängigen Überblick über den Lernstand eines Kindes. Dieser Bogen kann somit auch als Grundlage für Elterngespräche, zur Erstellung von Förderplänen oder zum Ausfüllen individueller Lernentwicklungsberichte dienen.


Ich bin aber nicht nur als Klassenlehrerin im 1. Schuljahr tätig, sondern unterrichte auch Kinder der 4. Klasse. Die Stärken und Schwächen dieser Kinder kenne ich schon ziemlich gut, da ich sie vom 1. Schuljahr an begleite. Ich führe deshalb keinen Klassentest durch, sondern überprüfe bei einigen Kindern nur bestimmte Fähigkeitsbereiche anhand der Diagnosebögen. Die Förderung verläuft dann wie in der 1. Klasse. Sind bestimmte Fähigkeiten nur sehr gering oder gar nicht ausgeprägt, ist immer auch ein Schritt zurück innerhalb der Materialien möglich und sinnvoll. So habe ich z.B. mit drei Kindern auszugsweise im 5. Band „Zahlenraum bis 1000“ gearbeitet, um die mathema¬tischen Grundlagen im niedrigeren Zahlenraum zu festigen.


Die Materialsammlung der Bände KOMM MIT – RECHNE MIT!  erlaubt der Lehrkraft, mit wenig Aufwand einen möglichen Förderbedarf zu erkennen, die nötigen Fördermaßnahmen umzusetzen, den Lernerfolg zu überprüfen und zu dokumentieren. Dies bezieht sich sowohl auf Lerngruppen, die man schon kennt, als auch auf Lerngruppen, die man ganz neu übernimmt, gleichgültig in welchem Schuljahr. Einer Rechenschwäche kann so zu jedem Zeitpunkt vorgebeugt bzw. begegnet werden. 


Komm mit rechne mit Band 1Christine Albrecht, Grundschullehrerin in Delmenhorst.


© Finken-Verlag, 2013

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Erfahren Sie mehr zum Ordner „Wahrnehmung und Pränumerik“der Komm mit - rechne mit!-Serie:

Komm mit - rechne mit! Band 1