Innere Differenzierung im Mathematikunterricht mit dem Fördermaterial „Komm mit – rechne mit!“

von Silke Hofmann

Als Förderschullehrerin und Mitautorin des Werkes Komm mit – rechne mit! weiß ich um die Bedeutung und Notwendigkeit innerer Differenzierung, sei es im Unterricht an Förderschulen oder im inklusiven Unterricht.

Mit dem Werk Komm mit – rechne mit! ist es möglich, Kinder dort abzuholen, wo sie in ihrer Lernentwicklung stehen. Dafür stehen 6 Bände zur Verfügung, mit denen Schüler wichtige Lerngrundlagen entwickeln und ihre Rechenfähigkeit  in den verschiedenen Zahlenräumen auf handelnder, bildlicher und symbolischer Ebene kleinschrittig erwerben können.     Wie differenziert ich in meiner Klasse vorgehen muss, zeigen folgende Beispiele: Ich unterrichte an einer Förderschule mit den Schwerpunkten „Lernen“ und „Körperliche und motorische Entwicklung“ Schüler vom 1. bis 4. Schulbesuchsjahr in einer Klasse. Der Lernbedarf einiger Kinder liegt dabei noch im basalen, pränumerischen Bereich. Sie benötigen z. B. Übungen zur Raum-Lage-Beziehung, zur 1:1-Zuordnung oder Klassifikation (siehe Bild 1). Entsprechende Handlungsaufgaben und Arbeits­blätter sind in Band 1 enthalten. Die Förderung kommt später nicht nur dem Mathematik­lernen, sondern auch dem Schreiben- und Lesenlernen zugute.
Raum-Lage-Beziehung KMRM
Andere Schüler aus dem 1. und 2. Schul­besuchsjahr­­ lösen Aufgaben zur Mengenerfassung und Menge-Zahl-Zuordnung auf handelnder und bildlicher Ebene. Hier nutze ich u.a. das Handlungsmaterial aus Band 2 (Bildvorlagen, Legeplättchen, Ziffernkärtchen) sowie die dazu passenden Kopiervorlagen (Bild 2).Zwei Schülerinnen arbeiten derzeit an den operativen Zusammenhängen im Zahlenraum bis 10. Hier wurden Tausch- und Umkehraufgaben sowie Aufgabenfamilien mithilfe der Handlungsmaterialien erarbeitet und dann auf den Arbeitsblättern gesichert.
Mengen-Zahl-Zuordnung KMRM
Die Schüler aus dem 3. und 4. Schulbesuchsjahr erarbeiten zurzeit den Zahlenraum bis 100.Zunächst lernten sie die Zehnerzahlen kennen und rechneten damit. Zur Erarbeitung der Zehner­zahlen wurde Material gebündelt (je 10 Muggelsteine in kleine Schälchen, Kastanien in Eierkartons…) und mit Zehnerstreifen und Ziffernkärtchen versehen. (Entsprechende Handlungsvorschläge sind in allen Bänden enthalten.) Anschließend wurden Arbeitsblätter zur Zehner-Bündelung bearbeitet.Für den weiteren Lernfortschritt war es wichtig, dass die Kinder die  Zahlen bis 100 in ihrem dekadischen Aufbau verstehen, d.h. den Zusammenhang zwischen Zehnern und Einern erfassen. Hier wurde erneut gebündelt, wobei jetzt aber einzelne Einer übrig blieben.  Dafür legten die Kinder z. B. eine bestimmte Menge an Einerplättchen und Zehnerstreifen auf das Hunderterfeld und auf die Stellenwerttafel (beigefügtes Handlungsmaterial). Anschließend benannten sie die Zahl bzw. legten die Zahl mit Zehner- und Einer-Ziffernkärtchen.
Zahlenraum bis 100 KMRM

In verschiedenen Spiel- und Übungsvarianten wurde dabei auch immer wieder das Tauschen von 10 Einern gegen einen Zehner eingeübt. Diese und ähnliche Übungen sind elementar, damit die Kinder das nötige Grundverständnis zur Bearbeitung von Additions- und Subtraktionsaufgaben erlangen. Kleinschrittig aufgebaute Arbeitsblätter unterstützen sie dabei auf jeder Stufe ihrer Lernentwicklung.

Fazit:

Wer schon in einer Klasse mit großen Leistungsunterschieden – wie oben beschrieben –  gearbeitet hat, weiß, wie schwer es ist, allen Schülern gleichermaßen gerecht zu werden. Diese Situation trifft man nach Aussagen der Grundschulkollegen auch immer häufiger in deren Klassen an. Durch unterschiedliche Lernvoraussetzungen und nicht zuletzt durch die inklusive Beschulung sind die Grundschulklassen ebenfalls sehr heterogen, sodass auch dort immer mehr differenziert gearbeitet werden muss.

Mithilfe der Bände Komm mit- rechne mit! gelingt es mir, den Mathematik­unterricht in meiner stark heterogenen Lerngruppe zu organisieren, ohne den Faden zu verlieren. Während ich in einer Gruppe auf der handelnden Ebene arbeite, können die anderen Schüler mithilfe der Arbeitsblätter weitgehend selbstständig arbeiten oder sich ein eingeführtes Handlungsmaterial zu Hilfe nehmen. Durch den  spiralcurricularen Aufbau der Bände mit parallel verlaufenden Inhaltsbereichen gibt es aber auch  immer wieder Anknüpfungspunkte für gemeinsames Lernen.   

Hilfreich für die Strukturierung und Organisation der Lernprozesse in solch heterogenen Lerngruppen sind dabei der klare Aufbau  und die transparente Progression des Materials. Zudem helfen die Diagnosematerialien, den Lernstand und den Lernfortschritt eines jeden Kindes einzuschätzen und mit den passenden Angeboten darauf zu reagieren. So dürfte Komm mit – rechne mit! auch Lehrkräften in Inklusionsklassen Hilfestellung und Sicherheit für eine stark differenzierende Förderarbeit bieten. 

 

Silke Hofmann, Förderschullehrerin in Weilburg. ©Finken-Verlag, 2013Dieser Text und die darin enthaltenen Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages.
Komm mit rechne mit

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