Kooperatives Lernen im Englischunterricht

von Ursula Schäfer

Mit viel Begeisterung lernen nun seit einiger Zeit Grundschulkinder Englisch, je nach Bundesland, beginnend mit der 1. oder der 3. Klasse. Um erfolgreich Sprache erwerben und erlernen zu können, bedarf es aber sinnvoller Sprachhandlungssituationen, die nicht immer einfach herzustellen sind. Neben Aufgabenformaten, die eine Sprachhandlung erfordern, brauchen wir immer wieder authentische Situationen. Spracherwerb braucht eine Lernumgebung, die experimentierenden Umgang mit Sprache nicht nur erlaubt, sondern fördert und fordert.
Wir kommen auch als Englischunterrichtende um die heikle Frage „Was ist guter Unterricht?“ nicht herum, wenn wir unseren Schülern ideale Bedingungen für Spracherwerb und Sprachenlernen bieten wollen. Für einen Unterricht, der alle je nach Lernstand fördert und fordert und der Möglichkeiten zur Kompetenzerweiterung auf kommunikativer und sozialer Ebene gibt, brauchen wir eine entsprechende Methodik. Dabei kann das „Kooperative Lernen“ einen wesentlichen Beitrag leisten.

 

Was aber ist Kooperatives Lernen?

Nach Pauli & Reusser bezeichnet Kooperatives Lernen „Lernarrangements wie Partner- und Gruppenarbeiten, die eine synchrone oder asynchrone (z.B. via Computer), koordinierte, ko-konstruktive Aktivität der Teilnehmer/innen verlangen, um eine gemeinsame Lösung eines Problems oder ein gemeinsam geteiltes Verständnis einer Situation zu entwickeln“ (Pauli & Reusser 2000).
Die Struktur Kooperativen Lernens ist nach Green: „Denken, Austauschen, Vorstellen“ („Think – Pair – Share“). Dabei wird in Einzelarbeit Vorwissen reaktiviert, mit neuem Wissen verbunden und eigene Wissenskonstruktion ausgebaut. In Kooperation mit Partner oder Kleingruppe werden individuelle Wissenskonstruktionen ausgetauscht. Durch Widersprüche entsteht Ko-Konstruktion und es kommt zu Korrekturen und Ergänzungen. In einer anschließenden Präsentation wird Wissen vorgestellt, geprüft und diskutiert.

Schauen wir uns den Einsatz kooperativer Methoden an praktischen Beispielen an.

 

Kooperatives Lernen – Konkrete Beispiele aus „Early Bird“

Norm Green nennt 5 Basiselemente, die wir in unser Material immer wieder einzubeziehen versuchen:

Positive Abhängigkeit
Bei Partnerarbeit und Gruppenarbeit sollten die Beteiligten miteinander Aufgaben erarbeiten, sich gegenseitig helfen, ihr gemeinsames Wissen am Ende präsentieren können.
Beispiel: In dem Partnerspiel „It’s Up to the Dice“ (Early Bird Themenpaket „Free Time & Friends“, Seite 76) üben und festigen die Kinder Wortschatz in Verbindung mit einer Struktur. Anschließend fertigen jeweils zwei Schüler gemeinsam ein Brettspiel in ähnlicher Form an, wählen einen individuellen Wortschatz und legen eigene Regeln fest. Bei einem „Gallery Walk“ können die unterschiedlichen Spiele dann gespielt und erprobt werden. Von den Partnern werden unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten benötigt, um zum Ziel zu kommen. Die Partner befinden sich also in einer positiven Abhängigkeit zueinander, da sie die Aufgabe nur gemeinsam erfolgreich bewältigen können.

Individuelle Verantwortlichkeit
Es ist von großer Wichtigkeit, dass Schüler früh und spielerisch lernen, Verantwortung für den Lernprozess zu übernehmen. Wir bahnen dieses an, indem wir immer wieder Hilfen für ritualisierte Unterrichtselemente zur Verfügung stellen, die von Schülern eigenverantwortlich übernommen werden können.
Beispiel: In einer Gruppenarbeit gestalten die Schüler ihr Traumhaus (Early Bird Themenpaket „In the City“, Seite 66). Die anschließende Präsentation erfolgt in Form eines „Gallery Walks“, bei dem die Gruppen ihre Ergebnisse ausstellen. Abwechselnd bleibt jeweils ein Gruppenmitglied bei dem eigenen Traumhaus stehen, um es den anderen Gruppen vorzustellen. Das ist eine Möglichkeit, als einzelnes Gruppenmitglied eigenverantwortlich zu arbeiten und gleichzeitig für das Arbeitsergebnis der ganzen Gruppe verantwortlich zu sein. Auf der Seite 15 im Handbuch des Themenpaketes unter der Überschrift „Gruppen Puzzle“ finden Sie dazu weitere Informationen.

Interaktion von Angesicht zu Angesicht
Die Notwendigkeit, von Angesicht zu Angesicht miteinander zu kommunizieren, ergibt sich bei handlungsorientierten Aufgaben, z.B. „Information Gap“-Übungen. Beispiel: Im Early Bird Themenpaket „In the City“, Seite 74/75 dienen 4 kleine Spielpläne als handlungsorientierter Sprechanlass für eine 4er-Gruppe. Hier müssen jeweils Gegenstände bei den Partnern erfragt werden, um das eigene Bild vervollständigen zu können.

Auch durch die Methode „Think-Pair-Share“ (Beispiel: Early Bird Themenpaket „Children of the World“, Seite 66) lernen Schüler, sich in kooperativer Weise auszutauschen und Wissen weiterzugeben. Sie denken zunächst allein über ein Thema nach (Think), tauschen sich anschließend mit dem Partner aus (Pair) und weiten diese Interaktion auf die Gruppe, das Plenum aus (Share).

Sozial- und Teamkompetenz
Bei Sozial- und Teamkompetenzen handelt es sich um wichtige Kompetenzen, die es in jedem Unterrichtsfach zu erweitern gilt. Über Ideen zur Partner- und Gruppenfindung und immer wiederkehrende Partner- und Gruppenarbeiten tragen wir mit unseren Early Bird-Materialien zur Erweiterung der obengenannten Kompetenzen bei.

Gruppenstrategien
Wir stellen in den Early Bird-Lehrerhandbüchern verschiedene Möglichkeiten von Gruppenverantwortungen und damit verbundene Strategien vor. So enthalten alle Handbücher jeweils ein Kapitel „Arbeit in Gruppen“. Darin werden verschiedene Möglichkeiten der Gruppenfindung vorgeschlagen und z.B. Rollenaufgaben wie die Rollen des Language Guard, Dictionary Guard, Artist, Writer, Time Guard und Spy beschrieben.

Elemente kooperativen Lernens in unserem Fremdsprachenunterricht können Hilfen zum Lernen lernen sein, genauso wie sie den Klassenraum zu einem Ort machen, in dem gemeinsam gelernt wird. Bei konsequenter Umsetzung kooperativer Lernphilosophie werden die meisten Kriterien für guten Englischunterricht erfüllt.


Ursula Schäfer ist Fachleiterin für Englisch GHR-Ge mit Schwerpunkt Primarstufe in Düsseldorf.


© Finken Verlag, 2012
Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlags.Mehr Informationen zu den Early Bird-Materialien: Little Early Bird 1/2 (Paketangebot) Early Bird 3/4 (Paketangebot)
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