Kooperatives Lernen in Deutsch

von Sabine von der Halben und Judit Kluth


Das Kooperative Lernen ist neben dem individuellen und dem konkurrierenden Lernen die dritte Säule unserer möglichen Unterrichtsgestaltung. Besonders in letzter Zeit ist gerade das Kooperative Lernen aber sehr in das Blickfeld der Schuldidaktik gerückt und wird aufgrund seiner positiven Folgen bezüglich des Lernens immer stärker gefordert. Insbesondere für die neue große Aufgabe des Schulsystems in Deutschland, die Inklusion, an allen Schulen wird dem Kooperativen Lernen eine immense Bedeutung zukommen.

Auch der Markt der Schulbuchverlage hat darauf reagiert. Es wird eine Vielzahl an Materialien angeboten, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Auch der Finken-Verlag bietet hierzu das neue Unterrichtspaket Kooperatives Lernen ? Methodenbox Deutsch an.

Das Besondere an diesem Paket ist, dass nicht nur Unterrichtseinheiten inkl. Materialien beschrieben werden, sondern Ausschnitte aus der Praxis auf DVD auch nachvollziehbar vorgestellt werden. Der in unseren Augen besonders wertvolle Teil des Paketes ist der Methodenprofi. Diese Übersicht, ähnlich aufgebaut dem Pfiffikus, dem Rechtschreibprofi und dem Schreibprofi aus dem Finken-Verlag, enthält alle grundlegenden Methoden der unterschiedlichen Momente des Kooperativen Lernens in der Grundschule:

  • Methoden der Partner- und Gruppenfindung 
  • Methoden zum Aufbau einer Gruppenidentität 
  • Methoden zum Einsatz sozialer Ziele 
  • Methoden zum Einsatz von Rollenkarten 
  • Methoden für kooperative Arbeitsphasen 
  • Methoden der Präsentation 
  • Methoden der Schlussbewertung   

Nachdem der Leser der Box also zunächst einige der vorgeschlagenen und ausgearbeiteten Unterrichtsvorschläge erprobt hat und den Ablauf des Kooperativen Lernens so erfahren hat, kann er einfach und zielgerichtet mit dem Methodenprofi seinen eigenen Unterricht kooperativ planen. Das Paket Kooperatives Lernen ? Methodenbox Deutsch begleitet den Leser daher auf seinen ersten Schritten im kooperativen Lernen bis hin zum selbstständigen Planen des eigenen kooperativen Unterrichtes.

In unseren dritten Schuljahren haben wir uns eine Unterrichtseinheit zu einem herkömmlich recht „trockenen“ Inhalt ausgesucht: Sammeln von Wörtern mit Wortbausteinen.

Wir haben in der einen Klasse den Unterrichtsvorschlag direkt umgesetzt, indem wir uns an den Ablaufplan weitgehend gehalten haben. In der anderen Klasse haben wir eine darauf basierende Alternative entwickelt und durchgeführt.

Wir waren neugierig, wie diese grammatikalische Übung zum Kompetenzbereich „Sprache untersuchen“ durch kooperative Arbeit mit Leben gefüllt werden konnte.

Thema: Sammeln von Wörtern mit WortbausteinenZunächst haben wir also in einer 3. Klasse den Ablauf aus  der „Methodenbox Deutsch“ wie beschrieben durchgeführt (passende Downloads finden Sie im Anhang). Diese Klasse wurde Anfang des Jahres neu zusammengesetzt und hatte bis dahin nur wenig Erfahrung mit dem Kooperativen Lernen gemacht. Wir waren daher umso neugieriger, wie die Kinder auf das Thema und die Methoden reagieren würden. Die Materialien waren schnell vorbereitet: Buntes Papier sowie entsprechend farbige Plakate gab es noch im Klassenschrank. Die Endungen konnten wahlweise von der Kopiervorlage benutzt oder selbst aufgeschrieben werden. Um alle 24 Kinder einzubinden, haben wir uns für alle sechs vorgeschlagenen Endungen entschieden.
Kooperatives Lernen Bild 1
rot: -schaftblau: -unggrün: -keitgelb: -heitrosa: -tumweiß: -nis
Kooperatives Lernen Wortendungen
Wir entschieden uns aufgrund der veränderten Gruppenbildung, und der eigenen Farben für eine andere Gruppenfindung. Ein rascher Blick in den Methodenprofi half bei der Auswahl:Die Kinder stellten sich per Line-up (Methodenprofi Seite 2) in einer Reihe auf und wurden dann in 6er Gruppen eingeteilt.Diese setzten sich jeweils zusammen an einen Tisch und bekamen Kopfnummern. Jeder Kopfnummer wurde eine Farbe und somit eine Wortendung zugewiesen, so dass hier keine Diskussionen in der Gruppe aufkamen.
Kooperatives Lernen
Die anschließende Arbeitsphase, in der die Kinder mit der Methode Round-Robin (Methodenprofi Seite 17) zu allen Wortendungen mögliche Nomen finden sollten, war  begleitet von einer hochkonzentrierten, ruhigen Atmosphäre. Nach je zwei Minuten wurde das bearbeitete Blatt mit der jeweiligen Endung  weitergereicht und zur nächsten Endung Wörter gesucht. Auch die Kinder mit einem einfacherem Wortschatz waren − durch die Gruppe getragen − engagiert. Durch die 2 Minuten-Taktung kam keine Enttäuschung auf, wenn ihnen tatsächlich kein Wort dazu einfiel. Zudem stand am Ende dieser Arbeitsphase niemand mit leerem Blatt da.
Hier zeigt sich die große Stärke des Kooperativen Lernens auch für inklusive Klassen: Jedes Kind kann an seine individuellen Vorerfahrungen anschließen und hat durch die Gruppenarbeitsphase die Chance dieses individuell zu erweitern.

Gefragt nach dem Vorteil dieser Methode antworteten anschließend die Kinder auch entsprechend:

Kooperatives Lernen Methodenbox Sprechblasen
In der nun folgenden Arbeitsphase gingen die Kinder entsprechend ihrer Blattfarben in die Expertengruppen (4er Gruppen). Hier sollten die gesammelten Wörter vorgelesen, doppelte Wörter aussortiert und die verbliebenen Wörter auf das Plakat geschrieben werden. Ein Wörterbuch diente der Rechtschreibüberprüfung.
Kooperatives Lernen Wortendungen
Während die Kinder lasen und sortierten, wurde fortwährend die Frage diskutiert, ob es dieses oder jenes Wort auch tatsächlich gibt. Es wurde untereinander erklärt und so erweiterten die Kinder „nebenbei“ ihren Wortschatz.
Kooperatives Lernen
Ein großer Vorteil für die Lehrkraft in dieser Phase: Es blieb Muße für kleine 5 Minuten-Spaziergänge, in denen man sich Zeit nehmen konnte für: Fragesetellungen wie:

formale Fragestellungen

  • Wie organisieren sich die einzelnen Gruppen? 
  • Welche Kinder übernehmen welche Aufgaben?
  • Welche Kinder bringen sich ein?
  • Braucht jemand Hilfe von außen?
Kooperatives Lernen Wortendungen

inhaltliche Fragestellungen

  • Was diskutieren die Kinder?
  • Wie differenziert ist der Wortschatz der einzelnen Kinder?
  • Klären die Gruppen die Bedeutung der Wörter?
Kooperatives Lernen
In der abschließenden Präsentationsphase stellten die Gruppen ihre Ergebnisse vor. Dabei fiel auf, dass es offensichtlich bei einigen Endungen deutlich schwerer war, Beispiele zu finden (-tum, -nis). Dies brachte uns auf die Idee zu einem weitergehenden Forscherauftrag. Die Plakate bleiben in den nächsten Wochen im Klassenraum präsent und alle halten „Augen und Ohren“ auf, um mehr Beispiele zu finden und die Plakate zu füllen.
Kooperatives Lernen Wortendungen

 

Nun brach ein wahrer Forschergeist aus: In der sich anschließenden Lernzeit „stolperten“ immer wieder Kinder über neue passende Nomen, die sofort mit Feuereifer notiert wurden. Auch in den kommenden Tagen riss der Forschergeist nicht ab. Einige Kinder kamen sogar aus dem Wochenende mit „gefundenen“ Beispielen.

Fazit: Die klar strukturierte und organisatorisch einfach umzusetzende Unterrichtseinheit hat den Kindern viele neue Wörter und eine erweiterte Kenntnis der Wortart Nomen gebracht. Und das mit viel Lernfreude! Zudem ließ der vorgeschlagene Ablauf genug Freiraum für eigene Ideen.

Angeregt durch diese positive Erfahrung haben wir das Gerüst des Unterrichtsvorschlages auf ein weiteres Thema in der Klasse 3 übertragen: Die „Delfinklasse“ sammelte Wörter mit unterschiedlichen Vorsilben bei Verben und untersuchte die Schreibung derselben.

Zur Gruppenbildung wurde der Verabredungskalender (Methodenprofi Seite 4) genutzt. Die Kinder haben immer viel Spaß bei der Erstellung der Verabredungen und der Kalender ist dann, im Federmäppchen aufbewahrt, für einen längeren Zeitraum für Gruppenbildungen verfügbar. Nachdem sich zunächst Paare zusammenfinden, bilden dann drei Paare zusammen eine 6er Gruppe.

Um auf das Thema einzustimmen haben wir dann noch eine Phase zur Bildung der Gruppenidentität, (Methodenprofi Seiten 5-6) eingefügt: die Kinder sollten sich über Verben austauschen. Einerseits sollte jedes Kind aus der Gruppe zwei Verben in der Grundform nennen können, andererseits sollten sie die Merkmale für Verben noch einmal wiederholend zusammentragen. So konnte die Gruppe sich zunächst austauschen und auf das Thema einstimmen, bevor sie mit der eigentlichen Arbeitsphase begann!

Rot: aus-Blau: vor-Grün: ver-Gelb: ab-Orange: ein-Weiß: auf-
Kooperatives Lernen
Genau wie im Handbuch beschrieben, sammelten die Gruppen dann Verben, um mit diesen und den einzelnen Vorsilben mithilfe der Methode Round-Robin neue Verben zu bilden.

Die Schüler selbst haben nach der Arbeitsphase die Vorteile der Methode zusammengetragen:

Kooperatives Lernen Methodenbox Sprechblasen_2
Da hier eine andere Gruppenbildung gewählt worden war, wurden auch die folgenden Gruppen anders zusammengesetzt: Die Schüler gruppierten sich nun entsprechend ihres farbigen Blattes zu einer neuen Gruppe. In meiner Klasse ergaben sich so 4er Gruppen, die dann die Wörter sortierten und auf ein endgültiges Plakat geschrieben haben.
Kooperatives Lernen Wortendungen
Hier zeigte sich eine große Spanne an Möglichkeiten der Organisation des Sortierens: Einige Gruppen gingen gemeinsam alle bunten Papiere durch, um Mehrfachnennungen auszusortieren, andere Gruppen teilten diese Aufgabe geschickt auf, sodass sie deutlich schneller das Ergebnisplakat beschriften konnten. Auch beim Nachschlagen der Wörter im Wörterbuch zum richtigen Notieren auf dem Plakat wurde unterschiedlich gestaltet. So ergab sich methodenimmanent eine gelungene Differenzierung und jeder Schüler konnte sich nach seinen Fähigkeiten einbringen. Daher ist dieser Ablauf insbesondere in inklusiven Klassen gut umzusetzen.
Kooperatives Lernen
Besonders spannend waren in einer abschließenden Runde bei der inhaltlichen Präsentation die Worterklärungen für unbekannte Wörter. Dies geschah durch die jeweils präsentierende Gruppe. Viele Schüler konnten hier ihren Wortschatz noch einmal stark erweitern. Diese Phase erschien uns besonders intensiv zu sein. Die Schüler überlegten, ob ihnen alle Wörter in ihrer Bedeutung bekannt waren. In Zweifelsfällen konnte die präsentierende Gruppe einen Beispielsatz zu dem unbekannten Wort nennen. Das Suchen nach erklärenden Beispielsätzen machte allen Schüler viel Spaß! Die Wortschatzerweiterung ist damit ein bedeutsamer Moment der Unterrichtsreihe auch in inklusiven Gruppen. Sowohl die Präsentation der Ergebnisse als auch die Reflexion der Vorgehensweise zeigt, dass alle Schüler in beiden Unterrichtseinheiten (jeweils benötigten wir ungefähr 3 Schulstunden) sehr intensiv mitgearbeitet hatten.
Kooperatives Lernen Wortendungen

 

Das neue Unterrichtspaket Kooperatives Lernen ? Methodenbox Deutsch lässt sich effektiv und schnell in den eigenen Unterricht integrieren. Große Vorteile sind die geringe Vorbereitung an Material bzw. das Vorhandensein desselben in der Box. Für die ersten eigenen Schritte bzgl. der Planung von kooperativem Unterricht bietet sich die Übernahme des Stundenablaufes für neue oder ähnliche Themen an. So kann man recht dicht an den Vorlagen zunächst planen. Der nächste Schritt zum selbstständigen Planen wird dann von dem Methodenprofi gut begleitet. Kooperatives Lernen findet so nachhaltig Einzug in den Unterricht und zeigt sehr schnell eine positive Wirkung – gerade für die Arbeit in heterogenen Lerngruppen.

 

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