Kooperatives Lernen auch schon in Klasse 1/2

Einsatz der Methodenbox Deutsch – Kooperatives Lernen in einer jahrgangsgemischten 1. und 2. Klasse

 

Methodenbox Deutsch Kompetenzübersicht

Nachdem ich zum ersten Mal eine jahrgangsgemischte Schuleingangsstufe übernahm, war es meine erste Herausforderung unter diesen „neuen“ Bedingungen,  den Anfangsunterricht zu managen, Lernstände zu diagnostizieren und jedem Kind individuell gerecht zu werden.

Schnell kam ich aber zu dem Schluss: Bei aller individuellen Förderung und deren zu Recht großer Bedeutung muss es doch vor allem im Deutschunterricht noch mehr Möglichkeiten geben auch gemeinsame Lerngelegenheiten zu schaffen und den Bereich „Sprechen und Zuhören“ auch über den Austausch über fachliche Inhalte noch besser zu fördern.


Auf der Suche nach geeignetem Material fiel mir auf der didacta die „Methodenbox Deutsch“ in die Hände.  Die Übersicht auf Seite 23 im Handbuch (siehe Bild rechts) zeigte mir, dass dies genau das war, was ich gesucht habe: Themen bzw. Ideen zu allen Bereichen des Deutschunterrichts, nicht themengebunden (lassen sich allerdings gut in sachunterrichtliche Themen einbeziehen), methodisch in kooperativen Lernformen umgesetzt. Der Methodenüberblick und auch ein Blick in die einzelnen Unterrichtseinheiten bestätigten meinen Verdacht, dass hier klassische Unterrichtsinhalte aus einer ganz anderen Perspektive durchdacht und hervorragend über das kooperative Lernen methodisch mal ganz anders umgesetzt werden. Jetzt könnte man meinen, dass dies nur schwer verständlich und mit viel Aufwand umzusetzen ist – NEIN. Oft ist es sogar noch viel einfacher als beispielsweise über nett verpackte Geschichten, frontale Einführungen oder komplizierte, immer wieder anzupassende Arbeitsblätter. Das Einzige, was die Box nicht ist, ist ein Sprachbuch, das gleich alle Übungen in ausreichender Form mitliefert. Nachdem ein Anfang gemacht ist, ist man als Lehrer gefragt, weitere Übungen anzubieten.

 

Ein kleines  Hindernis gab es allerdings für mich noch zu überwinden: die Methodenbox ist für Klasse 3 und 4 konzipiert und ich habe eine jahrgangsgemischte Klasse 1/2. Trotzdem sprach mich das Konzept so an, dass mir schon beim ersten Durchblättern am Schreibtisch jede Menge Ideen kamen, wie man die Themen leicht abwandeln und ändern kann, damit sie für meine Klasse angemessen sind.

Einen dieser „Versuche“ möchte ich hier vorstellen:

 

Sammeln von Wörtern mit Wortbausteinen aus dem Kompetenzbereich „Sprache untersuchen“

 

Sammlung Endungen

Vorbereitung und Einstieg

Dieses Thema änderte ich einfach dahingehend ab, dass ich nicht wie im Buch die Endungen -ung, -schaft, -heit, -keit nutzte, sondern diese in -e, -en, -er und -el umwandelte. Meine Erstklässler kannten die Endungen schon aus Sammlungen, die sich thematisch am Anfangsbuchstaben orientierten, sodass ihnen die Endungen nicht unbekannt waren. Dies befähigte sie dazu, Wörter zu allen Endungen zu finden. Die Übung diente also dazu Wortbausteine zu erkennen und Wörtersammlungen anzulegen unter einem ihnen so nicht bekannten grammatischen und rechtschriftlichen Aspekt.

Den Zweitklässlern waren diese Wortendungen bekannt und in gezielten Übungen konnten die meisten sie auch anwenden, aber die Übertragung auf eigene Texte bereitete noch Probleme. Daher war es für diese Kinder eine willkommene Wiederholung.

 

Ablauf der Unterrichtseinheit

Die Einheit verlief wie im Buch beschrieben:

Die Gruppen fanden sich mithilfe der Gruppenkarten, wobei ich beim Verteilen darauf geachtet habe, dass weder alle leistungsstarken Zweitklässler noch alle leistungsschwachen Erstklässler in einer Gruppe waren.

Dann wurden auf farbigen Blättern, die mit den genannten Endungen versehen waren, entsprechende Wörter auf Klebezetteln notiert und in der Gruppe wie beschrieben weitergereicht, sodass jedes Kind Wörter zu jeder Endung suchen musste. Allerdings brauchten die Kinder wie zu erwarten mehr als zwei Minuten zur Bearbeitung eines Blattes, da ihre Schreibgeschwindigkeit noch nicht so hoch ist.

Die Experten setzten sich dann in Gruppen zusammen und überarbeiteten die Arbeitsblätter, indem sie doppelte Wörter filterten und alle Wörter rechtschriftlich überprüften und korrigierten. Dann wurden gemeinsame Plakate angefertigt und vorgestellt und zur Erinnerung in der Klasse aufgehängt.

 

Gruppenreflexion Luftballons

Gruppenreflexion

Einzelne Aspekte bzw. Arbeitsvorlagen der Methodenbox wie die Gruppenbewertung Zielscheibe oder die Gruppenreflexion mit den Luftballons nutzte ich in verschiedenen Zusammenhängen, um einzelne Aspekte der vorhergehenden Arbeitsphase mit den Kindern zu reflektieren (die Methoden werden sehr gut im Klappbuch „Methodenprofi“ erläutert, Info siehe unten).

In diesen Reflexionen, die mal eher inhaltlich mal methodisch orientiert waren, zeigten die Kinder auf der Basis der visualisierten Gruppenreflexionen eine hohe Kompetenz die erlebten Unterrichtseinheiten zu bewerten und gemeinsam konstruktive Ideen zur Weiterarbeit zu entwickeln. Es war schön zu sehen, welch großen Anteil die Kinder am Unterrichtsgeschehen nahmen und wie viel Verantwortung sie auch im Nachhinein für die Verbesserung einzelner Aspekte übernahmen.

 

Fazit

Aus Sicht der Kinder kann ich nur sagen, dass sie die Methoden sehr motivierend fanden. Die Kinder fragen immer wieder „Können wir „so etwas“ noch mal machen?“ und auch unsere Reflexionsrunden mit den Ballons oder der Zielscheibe erfreuen sich großer Beliebtheit. Also ein guter Grund sich nach und nach auch die anderen Themen und Unterrichtseinheiten umzuarbeiten oder auch einzelne Ideen „zu klauen“ und einzeln einzusetzen oder neu zu kombinieren.

 

Mein Fazit lautet: Die Kinder haben äußerst selbstständig, diszipliniert und motiviert an einem gemeinsamen Thema gearbeitet. Es wurde konzentriert über die Inhalte gesprochen und diskutiert, ohne abzulenken. Fehler wurden gemeinsam korrigiert. Kein Kind konnte sich zurücklehnen, sondern alle waren angehalten ihren Teil beizutragen. Durch den den Kindern sehr präsenten Gruppengedanken wurde niemand mit seiner Aufgabe allein gelassen oder gar ausgelacht, sondern die Gruppenmitglieder halfen sich untereinander und erfuhren, dass jedes Mitglied mit seinem Beitrag wichtig ist. Einige Kinder wurden zusätzlich gefordert, indem sie organisatorische Aufgaben übernahmen, die dazu dienten, dass die Abläufe reibungslos verliefen. Dies erforderte aber gleichzeitig einen gewissen Gesamtüberblick über Situation und Abläufe. So wurde jeder in der Gruppe individuell gefördert und seinen Stärken entsprechend gefordert, sowohl inhaltlich wie auch sozial– manchmal natürlich auch mit Hilfe des Lehrers.

Ansonsten boten mir die Lernarrangements oft die Gelegenheit, mich aus dem Unterrichtsgeschehen zurückzuziehen und einzelne Gruppen, einzelne Kinder oder ausgewählte Lerngeschehen zu beobachten.

 

Beurteilung der Einsatzfähigkeit in Klasse 1/2:

Meine bisherigen Erfahrungen mit der Methodenbox zeigen, dass man das Material mit etwas Kreativität leicht so abändern kann, dass das Beschriebene auch in deutlich jüngeren Klassen einsetzbar ist. Hier kann man sehr gut die Methoden übernehmen, eben nur mit einer anderen inhaltlichen Ausprägung.

Gruppe Kinder

Es bestätigten sich auch die positiven „Vorurteile“ gegenüber kooperativen Lernformen, nämlich dass:

  • sich wirklich alle Gruppenmitglieder beteiligen (müssen),
  • die Kinder sich über den Gruppengedanken gegenseitig helfen und unterstützen,
  • und auf einem hohen Niveau über die Inhalte sprechen und diskutieren, ohne vom Thema abzulenken.

 

Sie erhalten wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse bzgl. der Inhalte, die ihnen nicht präsentiert oder vorgesetzt werden, sondern die sie sich gemeinsam erarbeiten. Gleichzeitig wird aber auch das soziale Lernen in der Gruppe und in der gesamten Klasse hervorragend gefordert und gefördert.

 

Insbesondere der Methodenprofi* sowie die Rollen- und Gruppenkarten sind in allen Klassenstufen ohne Probleme einsetzbar und lassen sich nicht nur im Fach Deutsch sondern auch darüber hinaus in allen anderen Fächern einsetzen. So können die Methoden des kooperativen Lernens den Kindern auf vielen Ebenen vermittelt werden und sich so dauerhaft in der Klasse etablieren.

 

Christine Brüning, Grundschullehrerin und Mitarbeiterin des Kompetenzteams Kreis Siegen-Wittgenstein.

© Finken-Verlag, 2014

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Setzen auch Sie die Methodenbox Deutsch - Kooperatives Lernen oder nur den Methodenprofi in Ihrer Klasse ein:

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* Der Methodenprofi ist Bestandteil der Methodenbox Deutsch, kann aber auch einzeln erworben werden.