Gute Lernaufgaben im Englischunterricht an Beispielen aus LEB und EB

 von Constanze Dreßler, Sabine Kollmann

Englischunterricht in der Grundschule sollte vor allem kommunikativ sein. Die Kinder sollen angeregt werden, die Fremdsprache aktiv anzuwenden und in die Lage versetzt werden, dabei auf ihr kindliches Weltwissen zurückgreifen zu können. Dadurch erfahren sie, dass Englisch zur eigenen Ausdrucksmöglichkeit genutzt werden kann. Die Themen sollen nicht nur aus der Lebenswelt der Kinder stammen, sondern für sie persönlich relevant sein. Am Beispiel von „Pets“ bedeutet das etwa, dass nicht nur allgemein von Haustieren gesprochen wird. Vielmehr sollten die Kinder die Chance erhalten, ihr eigenes Haustier zu beschreiben, ihr Wunschhaustier vorzustellen, falls sie kein eigenes Haustier haben, oder ein Fantasiehaustier zu entwerfen. Dadurch gewinnt das Thema „Haustier“ an individueller Bedeutung und erhält einen emotionalen Wert.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung im Unterricht ist zunächst eine positive Atmosphäre im Klassenzimmer, damit die Kinder sich mit ihren persönlichen Interessen einbringen können. Um dies zu erreichen, braucht man eine klare Klassenführung, eine dem Kind zugewandte Pädagogik und eine genaue Vorstellung der Leistungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler. Anleitungen dazu finden sich in kompakter Form im EB Guide. Da die gegenwärtige Umsetzung des Englischunterrichts noch sehr häufig als Fachunterricht stattfindet, sind solche erprobten Strukturierungshilfen umso wichtiger. Eine dem Kind zugewandte Pädagogik zeichnet sich aus durch eine positive Haltung gegenüber eigenen kreativen Lösungswegen der Schülerinnen und Schüler sowie durch einen wohlwollenden Umgang mit sprachlichen Fehlern. Um dies umzusetzen und einem Chaos im Klassenraum vorzubeugen, ist eine genaue Lernstandsbeurteilung (EB Guide S. 27; …got it?) des einzelnen Kindes und damit verbunden eine genaue Einschätzung der Leistungsmöglichkeiten der Klasse unabdingbar.

Die oben genannten Kriterien lassen sich an Hand des Ansatzes der lebensnahen Lernaufgabe gut verwirklichen (Task-based Language Learning EB Guide S.23/24), da Lernaufgaben folgende Merkmale aufweisen:

Lernaufgaben bestehen aus einer kleinschrittigen Hinführung (preparation) in der der Wortschatz, grammatische Strukturen (Phrasen / chunks) eingeübt werden und Weltwissen der Kinder aktiviert wird, damit die Hauptaufgabe (core activity) etwa ein Rollenspiel, eine Posterpräsentation, ein Rätsel, das Schreiben einer Postkarte, etc. erfolgreich bearbeitet werden kann. In der anschließenden Veröffentlichung (follow-up) werden die Ergebnisse vorgestellt, der eigene Lernzuwachs reflektiert sowie Feedback der Mitschüler eingeholt (vgl. Cameron 2001; Legutke et al. 2009).

Im Anschluss werden zwei Lernaufgaben-Beispiele aus LEB und EB vorgestellt, die den oben beschrieben Prinzipien folgen.

Family (LEB 172 Me and my family)

Die unten stehende Tabelle bietet einen Überblick über die erste Beispielaufgabe zum Thema „Familie“ in einer 2. oder 3. Klasse.

Preparation

Core activity

Follow up

1.Stunde: Einstieg ins Thema im Sitzkreis (S.16) mithilfe von LEB S. 22, Flashcards zum Thema, Vorstellung der Brown Family.

Wiederholung der Wörter aus Einsatz in Klasse 2:

mother, father, sister, brother, grandfather, grandmother (Spiralcurriculum)

Unterrichtsgespräch zum Thema: Members of the Brown family

Spiele zum Vokabeltraining (What’s missing? Line Game)

Erstellen eines Familienstammbaums mithilfe der Flashcards

2. Stunde: Einstieg mithilfe des Liedes(CD) „My Family“

Wiederholung der Vokablen und Einführung von aunt, uncle, cousin

Erarbeitung der Phrasen: Have you got…? I have got…

Spiele zur Einübung der Phrasen, Kinder erstellen ihren

Family Tree;

Kinder befragen sich gegenseitig über ihre Familie: Have you got a…? I have… (Class Survey)

3. Stunde: Kinder sollen Bilder ihrer eigenen Familie mitbringen.

Einstieg mit Lied „My Family“ Bearbeitung von KV 1

Erarbeitung der Phrasen: I have got a mother. Her name is… She is…years old. She likes… etc.

Rätsel zu KV 1. Kinder beschreiben ihr Bild und die Klasse muss raten, wessen Bild gemeint ist (immer 5 Bilder an der Tafel).

4. Stunde: Einstieg mit Family Rap

Folie 2: SuS beschreiben die Folien

Arbeitsauftrag: Gestaltung eines pocket books über die eigene Familie (S:120).

Gestaltung eines pocket books zum Thema „My Family“

Bilder werden gemalt und beschriftet.

Würdigung des pocket books in Form eines Museums-rundgangs mit Wahl der gelungensten Exemplare und eine Begründung der Wahl (falls nicht in Engl. möglich auf Dt.) und Feedback (Einsammeln der pocket books und Feedback durch Lehrkraft)

 

Das Thema „My Familiy“ lässt sich mithilfe von LEB im Sinne des Lernaufgabenansatzes individuell an die Bedürfnisse der eigenen Klasse anpassen. Die Module des Themas provozieren geradezu eine Herangehensweise über die Lebenswelt der Kinder, da immer wieder die eigene Familie thematisiert wird und auf Sprachhandeln verwiesen wird. Gleichzeitig ist das Material so flexibel einsetzbar, dass die Lehrkraft eigene Ideen gut integrieren kann. Neben den Aufgaben bietet LEB vielseitige Kopiervorlagen, Musik, Folien, Flashcards die das Thema mit allen Sinnen und auf unterschiedlichen Lernniveaus behandeln. Durch den Einsatz dieser Materialien wird sicher gestellt, dass die Kinder genügend sprachliches Material an die Hand bekommen, um die Hauptaufgabe erfolgreich zu bewältigen. Zudem ist „My Family“ gemäß des Spiralcurriculums in verschiedenen Klassenstufen einsetzbar. Eine genaue Unterrichtsstrukturierung wird mithilfe der Symbolkarten (S. 16) erzielt.

Dream Job (EB)

Die unten stehende Tabelle bietet einen Überblick über die zweite Beispielaufgabe zum Thema „Traumberuf“ in einer 4. Klasse.

Preparation

Core activity

Follow up

1.Stunde: Einstieg in das Thema über einen stillen Impuls KV 33. Die Kinder sollen ihren Traumberuf als Bild malen und im Wörterbuch nach dem Namen suchen oder ihn auf Deutsch darunter schreiben (Lebensweltbezug, eigene Interessen werden berücksichtigt).

Einführung der gängigen Berufsbezeichnungen anhand der Flashcards (s. EB In the City S.92)

Spiele zur Festigung der Aussprache, Vokabeltraining und Zuordnen der Wortkarten zu den Bildern durch Blitzlesen, Phraseneinführung

2. Stunde: Die fehlenden Begriffe für die Berufe der Kinder (gemalte Bilder) werden ebenfalls eingeführt (Flashcards aus den Bildern der Kinder erstellen)

Spiele zum Wortschatz und zu den Phrasen „I’m a… / Are you…?“ Pantomime / Rätsel erstellen (s. EB In the City S.92)

Training der Wörter mithilfe von KV 34 und Hinzufügen eines Kästchens für den jeweiligen eigenen Traumberuf

3. Stunde: Analog zu S.94 mit Ergänzungen zu den Berufswünschen der Kinder (Kinder bringen einen Gegenstand für ihren eigenen Berufswunsch mit).

4. Stunde: Flashcards zu Berufen und Gegenständen sind unsortiert an der Tafel. Ein Kind kommt nach vorne und beschreibt die Gegenstände (I need…), die es für einen Beruf benötigt und fragt dann die Klasse: „Who am I?“ Ein anderes Kind bringt die benannten Gegenstände in eine Reihenfolge an der Tafel und die Klasse benennt den Beruf. Als Festigung KV 38 + den eigenen Satz für den jeweiligen Beruf.

5. Stunde: Poster zu KV 39 “Where does a… work? What does a … do?” Analog zu S. 100. Redemittel s. S.120.

Im Anschluss Partnerarbeit: S.120 mit Ergänzungen durch die Berufe der Kinder. S.120 wird zerschnitten. Sie spielen Memory mit den Sätzen und schreiben die richtigen Sätze auf.

6. Stunde: Elfchen als Rätsel analog zu S. 102

Arbeitsauftrag für die nächste(n) Stunde(n): Postererstellung

Gestaltung eines Posters zum eigenen „Dream Job“ + Einüben des Vortrags in Kleingruppen / mit Partner

Präsentation des Posters, gegenseitiges Feedback geben und erhalten auf Englisch, Bewertung und Feedback durch die Lehrkraft (z.B: mithilfe eines Beobach-tungs-bogens)

 

An der oben dargestellten Unterrichtseinheit lassen sich Prinzipien der lebensnahen Lernaufgabe verdeutlichen. Die Kinder können auf ihr eigenes Weltwissen zurückgreifen, indem sie ihren eigenen Berufswunsch am eigenen Umfeld orientieren. Darüber hinaus werden in der Einheit viele Wortfelder aus früheren Themengebieten reaktiviert (z.B. Farben (blue uniform), Verkehr (bus driver), Schule (teacher, blackboard), Shopping(shop assistant), etc.) und somit wird hier dem Spiralcurriculum Rechnung getragen. Die Präsentationsphase gibt der Lehrkraft die Möglichkeit, mithilfe der Beobachtungsanleitung (…got it? S. 5) den individuellen Lernstand der Kinder zu überprüfen. Durch die Sicherung eines Basiswortschatzes und einer Ergänzung durch den individuellen Wortschatz wird sich dem Thema aus verschiedenen Perspektiven genähert.

Wie aus den beiden dargestellten Beispielen ersichtlich wird, eignet sich die Arbeit mit EB und LEB sehr gut dazu, dem Ansatz der lebensnahen Lernaufgabe Rechnung zu tragen. Das Material ist nicht nur kindgerecht und auf verschiedenen Levels einsetzbar, sondern fordert die Lehrkraft heraus die eigenen Schwerpunkte aus dem Material auszuwählen und auf die eigene Klasse zuzuschneiden.

 

Legutke, M.K., Müller-Hartmann, A. & Schocker-von Ditfurth, M. (2009). Teaching English in the Primary School. Stuttgart: Klett.

Cameron, L. (2001). Teaching Languages to Young Learners. Cambridge: UP. 

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