Praxisbericht zur Kartei "lieber lesen"

Diesen Bericht aus der Praxis hat uns Jan Kuhl geschickt, der „Geschichtenschreiber“ der Kartei „lieber lesen“. Wir haben uns entschlossen, diesen Bericht unverändert an Sie weiterzugeben und wünschen uns, dass Sie sich von der Begeisterung und der Motivation der 3. Klasse anstecken lassen.

Wir wollen „lieber lesen“, Herr Kuhl!

von Jan Kuhl

Die Arbeit mit der Kartei lieber lesen ist innerhalb unseres gemeinsamen Unterrichts schon nach wenigen Wochen zu einem der beliebtesten Fixpunkte geworden und erfreut sich dank ihres bunten Angebotes an Texten und ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeit auf unterschiedlichste Weise einer immer größer werdenden Beliebtheit.
Helden, Hexen, Detektive und Feen ziehen die Kinder magisch in ihren Bann und lassen sie abtauchen in atemberaubende von Jungen und Mädchen herbeigesehnte Fantasiewelten.

Die Geschichten mit ihren zahlreichen, schnell zu erfassenden Abenteuern haben nicht nur meine eigene dritte Klasse, sondern auch in die anderen Grundschuljahrgänge der Schule, innerhalb von kürzester Zeit begeistert! Ein Medium dieser Art, das zum Vorlesen, Stöbern, Nachdenken, Basteln, Schauspielern und zum selbstständigen Arbeiten animiert und das zu Diskussionen über Texte einlädt, ist schließlich auch nicht die Regel und – als jährlicher didacta-Besucher weiß ich – in dieser Form einzigartig. Als Freiarbeitsmaterial ein absolutes Muss! Es garantiert individuelle Förderung auf unterschiedlichsten Niveaus und ermöglicht dem Lehrer ganz nebenbei sogar, sich Freiräume innerhalb des Unterrichts zu verschaffen, um sich einzelnen Kindern zu widmen. Das erlebe ich regelmäßig.
Sehr gut kommt sowohl bei den Mädchen als auch den Jungen besonders die bunte Palette an fantasievollen Aufgaben zu den Texten an. Hier existiert kein Muss, sondern jeder Schüler kann frei wählen, welcher Aufgaben-Art er sich widmen möchte. Diese Freiheit wird von den Kindern positiv genutzt und es wird nicht – wie vielleicht zu vermuten wäre – immer die vermeintlich einfachste Aufgabe gewählt.

Die Geschichten stammen aus der Erfahrungswelt ihrer Rezipienten und „machen Hunger aufs Lesen“, wie Madita, 9 Jahre) alt, es ausdrückt. Manche Kinder möchten ihre Karten am liebsten mit nach Hause nehmen. Ich schenke ihnen dann eine Kopie, die sie anschließend in ihrem Lesetagbuch einkleben dürfen.
Um mit Oscar Wilde zu sprechen: „Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.“ Frei nach diesem Motto begegnen uns die Texte, welche die Abenteuerlust und Neugierde der Kinder ansprechen, sie anregen und aufregen. Von ihrer Konzeption, in Anspruch, Wortwahl und Umfang werden sie jederzeit dem Niveau meiner Schülerinnen und Schüler gerecht.

Einen hohen Stellenwert genießen die Texte der Kartei lieber lesen – um nur einen Aspekt des Einsatzes zu nennen - beispielsweise im Rahmen unserer täglichen Vorlesezeiten.
Unser Morgen beginnt seit jeher mit von Kindern vorgetragenen 3-Minutengeschichten, die sich an unsere traditionellen Begrüßungslieder anschließen. Neugierig und spannungsgeladen erwarten meine Schützlinge in dieser Phase die neusten Streiche und Abenteuer von „Pippi“, „Petterson und Findus“ und natürlich dürfen „Harry Potter“ und die „Wilden Hühner“ von Cornelia Funke nicht fehlen. Seit neustem sind die Abenteuer der Kartei lieber lesen ein fester Baustein unserer Auswahlgeschichten. Mit fesselnden Erzählungen und „Vorgeschichten“ werden die Schüler motiviert und auf das anschließende eingestimmt. Als langjähriger Primarstufenlahrer weiß ich: Mit „fantasiereicher Kost“ in den Tag zu starten belebt nicht nur das Gemüt, sondern auch den Geist.

Die lustigen, spannenden, traurigen und gruseligen „Minibüchlein“ stehen bei meinen Kids vermutlich auch besonders deshalb so hoch im Kurs, weil es damit jedem der Kinder gelingt, innerhalb kürzester Zeit ein abgeschlossenes neues Abenteuer kennen zu lernen. Von eigenen Interessen getrieben, haben die Schüler Zugang zu 64 interessanten Geschichten, die acht verschiedenen Themenfeldern zugeordnet sind. Praxisbericht Lieber lesen Bild 1

Durch das Kennenlernen der vielen neuen Geschichten sind die Kinder im Rahmen des Freien Schreibens deutlich kreativer geworden und es fällt ihnen von Mal zu Mal leichter, selbst Geschichten zu erfinden. Das unbefangene Lesen, Erfinden, Spielen, Malen und Erzählen zu den Texten im Rahmen unseres „Kuschellesens“, bei dem jedes Kind mit Partnern seiner Wahl oder selbstverständlich auch alleine arbeiten darf, verschafft ganz nebenbei, eine warme, „heimelige“ Atmosphäre, welche viele Kinder heutzutage oft nicht mehr kennen lernen. Die Kinder dürfen sich dazu ihr Lieblingskuscheltier mitbringen, sich Lesehöhlen bauen oder auch einfach nur unter oder auf den Tischen liegend schmökern. Probieren Sie es aus. Mir ist aufgefallen, dass stärkere Leser dabei regelmäßig das Glossar nutzen, um schwierige Begriffe zu erfassen. Schwächere Leser fragen stattdessen bei mir oder anderen nach oder lesen einfach darüber hinweg.

Praxisbericht Lieber lesen Bild 2So oft wie möglich wird das Gelesene und Erarbeitete der Gruppe vorgestellt. Denn eines ist ganz wichtig: gelesene Texte nicht einfach beiseite zu legen, sondern den Spaß, den man soeben hatte, auch anderen Kindern zu vermitteln und interessante Stellen zu referieren oder vorzulesen. Dies erleben viele Kinder als höchsten Genuss. Sie lieben es, sich gemeinsam mit anderen Kindern über ihre Lieblingsstellen zu amüsieren oder eine Gänsehaut zu bekommen. In einem schmucken Ohrensessel für den Vorleser oder an einem kleinen Rednerpult erwirbt die Präsentation eine zusätzlich besondere Note.

Ergebnisse werden in einem speziell für unsere Kartei angefertigten lieber lesen – Heftchen festgehalten. Das im Begleitheft zur Kartei angebotene Deckblatt ziert den Umschlag. Die angelegten Hefte sind ein gutes Medium, um sich von Zeit zu Zeit einen Überblick zu verschaffen, wo die Kinder aktuell stehen. Die offenen Aufgabenstellungen und die große Auswahlmöglichkeit bietet ihnen ein Feld für Kreativität, Neugier und Spaß, sodass sie gerne und freiwillig immer wieder mit dieser Kartei arbeiten möchten.

Ihr Jan Kuhl
 

 

lieber lesen 3/4

Jan Kuhl ist Autor von Geschenk-, Schul- und Kinderbüchern. Er engagiert sich für die Leseförderung an Grundschulen, wo er regelmäßig Kinderbuchprojekte durchführt.


© Finken-Verlag, 2011

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