Auf dem Weg zum Methodenprofi

Praxisbericht über die Arbeit mit dem „Methodenprofi – Kooperatives Lernen“ und den Einsatz im Unterricht einer zweiten und vierten Klasse

Christine AlbrechtMethodenprofi Bild 1

Ich bin Klassenlehrerin einer zweiten Klasse in einem sozialen Brennpunktgebiet. Im ersten Schuljahr mussten sich die Kinder in meiner Klasse zunächst im Schulalltag orientieren. Das soziale Lernen bezog sich mehr auf die Klassengemeinschaft insgesamt und den Alltag an sich und noch nicht speziell auf die Arbeitsphasen in den einzelnen Unterrichtsfächern. Ich hatte mir vorgenommen, im zweiten Schuljahr das Erlernen und Ausbauen von Methoden zu fokussieren – da kam der Methodenprofi aus dem neuesten Katalog des Finken-Verlags wie gerufen, immerhin sind kooperatives Lernen und soziales Verhalten eng miteinander verknüpft und bedingen sich gegenseitig.

So bestellte ich das Material und hielt zwei Tage später das Buch in der Hand. Ein Blick hinein motivierte mich sofort, am nächsten Tag etwas daraus umzusetzen.

In dem Ankündigungstext im Katalog wird beschrieben, dass jeweils ganz kurz, klar und präzise die Methode dargestellt wird. Mein Eindruck bestätigt dieses. Das Buch ist verständlich geschrieben und deshalb sind die Methoden in der Tat schnell und sofort umsetzbar. Die Einteilung in die Abschnitte „So geht’s!“, „Ziel“ und „Tipp“ erleichtern den Überblick und die Orientierung, ebenso wie das farbig gehaltene Register. Ich konnte stets anhand der Zielangabe herausfinden, ob die Methode zu meinem Unterrichtsinhalt passte, und musste mich nur in die entsprechende Methode einlesen, die ich benutzen wollte.

Methodenprofi Bild 2Da ich sofort am nächsten Tag etwas aus dem Methodenprofi einsetzen wollte – es aber an diesem Tag in meiner Klasse organisatorisch nicht mehr möglich war –, hielt ich mir direkt die Einteilung der Gruppen in meiner Mathematikklasse, Jahrgang 4, vor Augen. Wir behandelten dort gerade das Thema Körper und deren Netze. Die Kinder sollten in dieser Unterrichtsstunde in Gruppen Würfelnetze erarbeiten und darstellen. Da diese Klasse sehr unruhig und zudem ziemlich heterogen zusammengesetzt ist, bot sich die „Schneeballschlacht“ als Gruppenfindungsprozess an.  

Sie bietet am Anfang der Stunde Aktion und Bewegung. Dazu lag es in meiner Hand, die Kinder so in Gruppen einzuteilen, dass ein zufriedenstellendes Ergebnis der Zusammenarbeit ermöglicht wurde. Ich hatte je zwei DIN-A4-Zettel mit den gleichen Zeichen (Dreieck, Kreis etc.) gekennzeichnet und ließ die leistungsstarken Kinder ihren Namen auf je eines dieser Papiere schreiben. Anschließend knüllten wir alle Zettel zusammen und begannen mit der ganzen Klasse eine Schneeballschlacht zu machen – alle waren mit Spaß daran beteiligt. Die Kinder, die sich nicht auf einem Zettel eingetragen hatten (in diesem Fall die leistungsschwachen Kinder), durften abschließend einen Schnellball auffalten und arbeiteten im Anschluss jeweils mit den darauf stehenden Kindern zusammen. So ergaben sich zum Schluss Gruppen von je vier Kindern.

Den Schülern fiel das „vorgeplante“ Einteilen der Gruppen nicht auf. Für mich war zufriedenstellend zu erleben,Methodenprofi Bild 3 dass die Kinder sich aufgrund der Mischung starker und schwächerer Schüler gegenseitig unterstützen konnten und wir so zu guten Arbeitsergebnissen kamen.

In meiner eigenen Klasse führte ich als Partnerfindungsprozess den „Verabredungskalender“ ein. Ich erachte das Arbeiten mit unterschiedlichen Partnern als wichtig, da die Kinder sonst immer wieder dieselben Partner wählen. Mir stach besonders positiv ins Auge, dass man die Partnerauswahl nach verschiedenen Kriterien beeinflussen kann (z.B. Lieblingspartner; Junge/Mädchen; jemand, mit dem man nur selten zusammengearbeitet hat; leistungsstarkes/-schwaches Kind als Gegenpol – diese vier Variationen übernahm ich aus dem Methodenprofi). Die Kinder erhielten alle einen Pass mit vier verschiedenen Symbolen und trugen sich nun nach Ansage (s.o. Lieblingspartner etc.) gegenseitig in ihren Verabredungskalender ein. Sie waren begeistert, dass sie gegenseitig in ihren Pässen unterschreiben durften und damit mit den Mitschülern einen „Vertrag“ eingingen.

Die Einteilung in die Partnergruppen lief problemlos, die Verabredungskalender befinden sich seitdem laminiert stets in den Federmäppchen der Kinder. Die Einführung in den Zahlenraum bis 100, also das sinnvolle Zählen bzw. Bündeln von Zehnern, wurde dann direkt mit den entsprechenden Partnern erarbeitet (in diesem Falle leistungsstark/-schwach zusammen).

In den kommenden Tagen fiel mir beim Einsetzen des Verabredungskalenders positiv auf, dass die Kinder schneller zum Arbeiten kamen, da keine Zeit für die Partnersuche verwendet werden musste. Zudem wurde die Zusammensetzung gar nicht mehr kritisiert. Vorher gab es sonst Einwände von einigen Kindern, dass sie z.B. nicht mit einem Jungen bzw. einem Mädchen zusammenarbeiten wollten.

Mit wenig Zeitaufwand ist hier eine größtmögliche Schüleraktivität möglich und die Lernzeit kann effektiv genutzt werden. Die entsprechende Partnerwahl hängt für alle Fachlehrer sichtbar in meiner Klasse, sodass auch sie je nach Unterrichtsinhalt den Verabredungskalender einsetzen können.

Methodenprofi Bild 4Als Methode für kooperative Arbeitsphasen wählte ich den „Schnittkreis“ zum Üben der Lernwörter im Deutschunterricht. Hierbei durfte mit dem Lieblingspartner gearbeitet werden – dank Einführung des Verabredungskalenders war eine schnelle Einteilung möglich. Die Kinder trugen zunächst die ihnen wichtigen Lernwörter am äußeren Rand der Kreise ein und markierten die für sie wichtigen Stellen im Wort. Es durfte nicht geredet werden – ich war fasziniert von der Stille im Klassenraum und dem konzentrierten Arbeiten der Kinder. Anschließend sollten die Kinder schauen, welche Wörter beide Partner aufgeschrieben hatten und diese im Schnittkreis sammeln. Es fand ein sehr intensiver Austausch über die Lernwörter statt. Obwohl die einzelnen Partner ganz unterschiedliche Stellen im Wort als wichtig benannten, war der Austausch während der Partnerarbeit in meinen Augen definitiv effektiver, als wenn im Klassenverband besprochen worden wäre, was an oder in einem Wort wichtig zu merken gewesen wäre.

In den letzten Wochen habe ich nun verschiedene Gruppenfindungsprozesse und Partnerarbeitsstrategien erprobt. Kooperatives Lernen ist ein Prozess, welcher sieben verschiedene Stufen von der Gruppenfindung bis hin zur Schlussbewertung umfassen kann. Der Methodenprofi – Kooperatives Lernen ist nach diesen sieben Stufen aufgebaut, der Prozess und die einzelnen Stufen sind schnell umsetzbar.

In meiner Arbeit konnte ich natürlich bei vielen Methoden zunächst einmal nur im Anfangsstadium bleiben. Die Methoden müssen erst mal eingeführt und weiterhin geübt und eingeschliffen werden. Ich bin jedoch gespannt auf die Erweiterung der kooperativen Methoden in meinen Lerngruppen und freue mich schon besonders auf das Einführen der verschiedenen Rollen in einer Gruppe (Zeitwächter …), um die Teamarbeit weiter auszubauen und die Arbeitsphasen noch selbstständiger in die Hände der Kinder zu übergeben.

Meinen Unterricht habe ich mir in den letzten Wochen an vielen Stellen dank der kooperativen Methoden erleichtert. Nicht nur ich, sondern auch die Kinder nehmen in Bezug auf ihre sozialen, methodischen und fachlichen Kompetenzen sehr viel daraus mit. 

Die klare Strukturierung ist für Kinder sehr motivierend. Aufgrund des Verabredungskalenders habe ich sogar während der Pausen schon Kinder beobachtet, die sich über das gemeinsame Arbeiten nun auch privat besser verstehen bzw. sich überhaupt intensiver kennengelernt und miteinander beschäftigt haben.

Besonders in der aktuellen Schulsituation, in welcher der Verwaltungsaufwand und die viele Dokumentation im schulischen Alltag immer mehr werden, ist es oft schwierig, Zeit zu finden für unsere eigentliche Aufgabe – nämlich methodisch durchdachten und effektiven Unterricht vorzubereiten. Der Methodenprofi ist unter diesem Aspekt vielfältig einsetzbar, vor allem auch in den unterschiedlichsten Unterrichtsfächern. Der Unterricht kann punktuell verändert werden, wird durch die vorgeschlagenen Methoden bereichert und für die Kinder intensiviert.

Die Kinder und ich entwickeln uns also gemeinsam langsam zu Profis im Umgang mit kooperativen Methoden. Ich bin deshalb gespannt auf die kommenden Wochen und Monate und freue mich im Hinblick auf das nächste Schuljahr schon auf die Arbeit mit der Methodenbox Deutsch – auch ein neues Material vom Finken-Verlag für den Deutschunterricht ab Klasse 3.

Christine Albrecht ist Lehrerin an einer Grundschule in Delmenhorst.

© Finken-Verlag, 2012

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Mehr Informationen zu Methodenprofi Kooperatives Lernen finden Sie auf unserer Homepage:

 

Methodenprofi Kooperatives Lernen

 

 

 

Der "Methodenprofi" ist auch Bestandteil des Materialpakets Kooperatives Lernen - Methodenbox Deutsch:

Kooperatives Lernen - Methodenbox Deutsch