Mit den Bild- und Wortkarten der Rechtschreibleiter spielerisch Lernzugänge zur Rechtschreibung eröffnen

von Thomas Hawellek

Rechtschreibleiter FroschIn der Rechtschreibleiter sind zu jeder Lernstufe nicht nur ein Lernplakat, Arbeitsblätter, Wortschatzkiste, Erfolgskontrolle und Erfolgsurkunde enthalten, sondern auch ein Spielplan und Bild- und Wortkarten, mit denen ein spielerischer Zugang zur Rechtschreibung ermöglicht wird.

In diesem Artikel will ich Hinweise geben, wie sich diese „Spielkarten“ im Deutschunterricht einsetzen lassen.

Kinder lernen am liebsten durch Spielen, sie lieben es, sich die Welt spielerisch anzueignen. Ermöglicht man Kindern im Unterricht spielerisch an Dinge heranzugehen, bereitet ihnen diese Vorgehensweise und damit auch der Unterrichtsgegenstand in der Regel sehr viel mehr Spaß.

Rechtschreibunterricht ist oftmals an Stift und Papier gebunden, Letzteres früher in Form von Heften, heute eher in Form von Arbeitsblättern. Mit den Bild- und Wortkarten, dem Spielplan und den Spielanleitungen erhalten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, einzeln und miteinander spielerisch über und mit Sprache zu agieren.

Materialorganisation und -präsentation

Die Bild- und Wortkarten können im Klassenraum im Deutsch-Regal in Plastikdöschen, jeweils nach Stufen sortiert und mit der Stufe beschriftet, dargeboten werden. Alternativ ist es auch möglich, für jede Stufe einen Ordner aufzustellen, in dem nicht nur die Arbeitsblätter, sondern vorn in einer Klarsichthülle die Bild- und Wortkartensätze der jeweiligen Stufe aufbewahrt werden. Selbstverständlich sollten und müssen nicht zu Beginn in Klasse 1 alle Stufen der Rechtschreibleiter als Material im Deutschregal vorhanden sein; es genügt, wenn jeweils die nächsten fünf, sechs Stufen vorhanden sind, um ein individualisiertes Voranschreiten der Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen.

 

Einsatz im Unterricht

Mit der ganzen Klasse Wörter schwingen und tanzen 

Bevor Sie die Kinder selbstständig mit dem Material spielen lassen, können bzw. sollten Sie die Bildkartensätze der Stufen 1-3 (Nr. 1a, 2a, 3a) mit der ganzen Klasse schwingen und tanzen, um die Mitsprech- und Silbendurchgliederungsstrategie zu festigen. Dazu stellen sich alle Kinder in einem großen Kreis hinter Tischen und Stühlen im Klassenraum auf. Ein Kind zieht vom Stapel eine Karte. Die Klasse schwingt und tanzt das Wort unter synchronem Mitsprechen des Wortes gemeinsam („im Chor“) in Schreibrichtung im Klassenraum. Die Lehrerin / der Lehrer macht mit, lautiert kritische Stellen genau vor („Wel-le“). Die meist zweisilbigen Wörter der Bildkarten können in späteren Stunden auf Vorschlag der Kinder verlängert werden, um mehr Silbenbögen „zu schaffen“: Aus „Wel-le“ wird „Wel-len-rei-ter“, aus „Me-lo-ne“ „Me-lo-nen-scha-le“. Schnell möchten Kinder eigene, längere Wörter nennen und schwingen. „Wer findet ein Wort mit 5, 6, 7, 8, 9 Silben?“

Ich persönlich habe noch keine Klasse (das gelingt auch schon in der Vorschulklasse) erlebt, der dieses Silbentanzen im Kreis keinen Spaß gemacht hat.

Die Lehrerin / der Lehrer achtet in dieser gemeinsamen Unterrichtsphase auf das Einhalten der Silbenpausen, das Einhalten der Richtung, auf die Sychronizität zwischen Armbewegung (rechte Hand) und Beinbewegung (großer Schritt zur Seite) und erkennt nebenbei schnell: Schülerinnen und Schüler, die Schwierigkeiten mit dieser Bewegungsfolge haben, haben es in der Regel auch schwerer beim Erlernen des Lesens und Schreibens.

Kurzer Exkurs bzw. Selbstversuch: Warum ist die pilotsprachliche Silbendurchgliederungsstrategie so wichtig? Schreiben Sie das Wort „Elektrizitätswerk“ auf einen Zettel und beobachten Sie sich dabei.

Sind die Kinder auf die oben beschriebene Weise mit der Silbendurchgliederung vertraut, können die folgenden Spielmöglichkeiten erprobt werden.

Partner- und Gruppenarbeit mit Spielplan und Bild- und Wortkarten

Rechtschreibleiter SpielplanDer Rechtschreibleiter-Spielplan wird ausgelegt. Jedes Kind wählt sich eine Spielfigur (z.B. aus einem Kästchen mit nicht mehr benötigten „Mensch-ärgere-dich-nicht“-Figuren). Als „Würfel“ dient ein ausgewählter Kartensatz der Stufe, die gerade im Zentrum des Rechtschreiblernens steht, zum Beispiel der Bildkartensatz 1a. Der Reihe nach ziehen die Kinder eine Karte, tanzen das Wort in Silben (oder in „schüchterneren“ Gruppen: schwingen das Wort in Silbenbögen mit dem Schreibfinger in der Luft) und rücken entsprechend der Silbenanzahl auf dem Spielplan vor. Für die Ereignisfelder „Sonne“, „Mond“, „Stern“ und „Herz“ sind im zur Stufe gehörigen Material Spielvorschläge unterbreitet. Sie können die Schülerinnen und Schüler aber ebenso Ereignisse entwickeln bzw. aushandeln lassen. Die Lehrerin sollte darauf achten, dass Schreibaufgaben dabei sind („Schreibe das Wort an die Tafel!“). Diese Schreibaufgaben sollten stark belohnt werden, z.B. mit „Rücke zehn Felder vor!“, um die Lust am Schreiben durch Lernen am Erfolg zu erhöhen. Schwächeren Kindern sollte die Lehrerin / der Lehrer beim Schreiben Hilfen geben, z.B. durch Mitlautieren der richtigen Schreibweise, damit gerade diese Kinder „über das Spielen“ zu Erfolgen gelangen.

Der Arbeitsauftrag für derartige Rechtschreibleiter-Spielzeiten mit den Bild- und Wortkarten könnte im Wochenplan lauten: „Suche dir einen Partner oder eine kleine Gruppe. Nehmt den Rechtschreibleiter-Spielplan, Spielfiguren und den Kartensatz 1a und spielt das Rechtschreibleiter-Spiel. Nach 15 Minuten hört ihr auf.“

Die Kinder erarbeiten sich in einer so intendierten Partner- bzw. Gruppenarbeitsphase mithilfe des Rechtschreibleiter-Spieles „neben“ Rechtschreibaspekten auch soziale Lernziele: Abwarten-Können, aufeinander Rücksicht nehmen, dem anderen helfen etc.

<Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit nur mit den Bild- und Wortkarten

Für eine Einzelarbeit könnte die Aufgabe lauten: „Nimm dir den Bild-Kartensatz 1a und schreibe die Wörter in dein Heft. Kontrolliere mit der Wortschatzkiste der Stufe 1 (Arbeitsblatt aus Stufe 1)“. Wird ein Wortkartensatz ausgewählt, kann das „Selbstdiktat“ als Laufdiktat ausgeführt werden.

Zu zweit kann diese Aufgabe als wechselseitiges Partnerdiktat erfolgen.

Bildkarten nach Silben sortierenDie Kartensätze erlauben jedoch nicht nur verschiedene Schreibaufgabenstellungen, sondern auch Denk- und Sortieraufgaben, die wiederum allein, zu zweit oder in der Gruppe erfolgen können.

Einfache Sortieraufgaben für die Bild- und Wortkartensätze sind z.B.: „Sortiere die Karten nach Silbenanzahl“ oder „Sortiere die Karten nach Anfangsbuchstaben“.

In den Wortkartensätzen sind in der Regel Nomen, Verben und Adjektive enthalten, sodass sich diese Kartensätze auch nach Wortarten sortieren lassen.

Aber auch offene Aufgabenstellungen, die entdeckendes Lernen fördern, sind möglich: „Arbeite allein oder suche dir einen Partner. Nimm dir den Kartensatz Nr. 4a. Lege alle Karten offen auf den Tisch. Wonach kannst du die Karten sortieren? Welche passen zusammen? Zeige die Sortierung, die du/ihr gefunden habt der Lehrerin oder dem Lehrer.“

Mit den Kartensätzen der Stufen 5, 6, 7, 8, 9 kann des Weiteren sehr gut „Memo“ gespielt werden, denn meistens gehören immer zwei Karten zusammen: Fuß – Füße (Stufe 5), Brief – Briefe (Stufe7), Ball – Bälle (Stufe 8). Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, dass zunächst alle Karten offen auf den Tisch gelegt werden und die mitspielenden Schülerinnen und Schüler reihum zunächst Paare herausnehmen. Im 2. Schritt kann das „Memo“ dann verdeckt gespielt werden.

Wörter Memory

Ausblick

Sicher werden Sie bzw. Ihre Schülerinnen und Schüler bei regelmäßigem Einsatz der Spiel- und Wortkarten noch weitere Spiel- und Sortiermöglichkeiten finden. Sie werden belohnt werden durch Schülerinnen und Schüler, die mit Freude und Spieleifer Schritt für Schritt auf der Rechtschreibleiter vorankommen wollen.

 

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