„Hurra! Ich kann mich beim Schreiben unterhalten!“ - Kooperative Lernformen mithilfe des Schreibprofis durchführen

von Birte Priebe


Wer einen guten Schulabschluss haben will, muss gut Deutsch sprechen und verstehen können. Deswegen ist die Sprache der Schlüssel zur Bildung. Nicht alle Schülerinnen und Schüler bringen die für einen guten Bildungsweg notwendigen Kompetenzen mit in die Schule.
Es gibt viele Wege für Schülerinnen und Schüler, die deutsche Sprache zu erlernen. Wichtig ist, dass die sprachliche Bildung und die Sprachförderung überall im Schulalltag erfolgt, in jeder Unterrichtsstunde und durch jede Lehrkraft. So erhält das alte Motto „Jede Stunde ist eine Deutschstunde“ eine neue Bedeutung.
In jedem Unterricht entstehen sprachliche Anforderungen.

Von besonderem Nutzen sind hierbei die kooperativen Lernformen. Sie sind integrativer Bestandteil des Regelunterrichts und beinhalten viele sprachliche Anforderungen, die bewältigt werden müssen, aber auch Elemente, die sprachförderlich genutzt werden können. Damit die kooperativen Lernformen gelingen, müssen Fertigkeiten gelernt und gefestigt werden. Das Einüben von schriftlichen Redemitteln, beispielsweise durch den Schreibprofi, hilft den Schülerinnen und Schülern hierbei.

Das haben wir an einer Schule in Hamburg Bergedorf erfahren.

 

Vorgestellt wird der Schreibprofi beim Einsatz der Methode „Platzdeckchen“Kooperative Lernformen - Schreibprofi Bild 2

 An unserer Schule werden die kooperativen Lernformen von Beginn der ersten Klasse bzw. Vorschule an ins Unterrichtsgeschehen einbezogen. Eine beliebte Methode der kooperativen Gruppenarbeit ist das „Platzdeckchen“. Jedes Mitglied einer Schülergruppe schreibt oder malt, je nach vorhandenen Kompetenzen, seine Gedanken zu einem Thema oder zu einer Frage zunächst still in eines der abgegrenzten Bereiche des Arbeitsblattes. Bei Bedarf kann der benötigte schriftliche Wortschatz unterrichtlich vorbereitet werden. Hierbei bietet der Schreibprofi eine gelungene Vorbereitungshilfe, indem er nicht nur den Wortschatz einübt, sondern auch Redewendungen, Satzanfänge und Wortfelder zum gewählten Thema anbietet.

Nach einer festgelegten Zeit dreht jeder das „Platzdeckchen“ in eine Richtung weiter und jeder liest still, was der Nachbar geschrieben hat. Nachfragen bei Unleserlichkeit oder Verständnisproblemen des geschrieben Textes oder des gemalten Bildes sind zulässig und manchmal notwendig, damit der Kommunikationsprozess nicht unterbrochen wird. Ergänzungen, Kommentare und Meinungen dürfen eingefügt werden. Das „Platzdeckchen“ wird so lange weitergedreht, bis jedes Kind sein Ausgangsfeld wieder vor sich hat. Dann diskutiert die Gruppe die Lösungen und findet eine Gruppenantwort, die ggf. in der Mitte des „Platzdeckchens“ eingetragen wird. Dann wird das Gruppenergebnis der Klasse vorgestellt.
Bei dieser Methode steht die schriftsprachliche Aktion im Vordergrund. Eine echte Aufgabe muss durch Schreiben im kommunikativen Zusammenhang gelöst werden. Positive sprachbildende Aspekte sind u.a. die Wortschatzerweiterung, das Aktivieren von Vorwissen und die Schulung der schriftlichen Dialogfähigkeit. Der Schreibprofi gibt in seinem Kapitel „Feste feiern“ zum hier gezeigten Thema „Fasching“ wertvolle Schreibanfänge und Schreibideen. Dabei steht das „voneinander Lernen“ im Zentrum des Geschehens. Die hohen schriftsprachlichen Anforderungen beim „Platzdeckchen“ sollten nicht unterschätzt werden. Deshalb ist es ratsam, den Schülerinnen und Schülern Hilfsmittel wie Wörterbücher, Glossare, Redemittelkarten oder -poster (Meiner Meinung nach, sollten wir …) zur Verfügung zu stellen. Alles das sind die notwendigen Elemente, die im Schreibprofi wiederzufinden sind.

Durch die Auswahl der Themenbereiche des Scheibprofis, die eher globale semantische Bereiche darstellen, ist die Anwendung auf viele einzelne Themen möglich:

  • Feste feiern: Weihnachten, Ostern, Fasching, Geburtstag, etc.
  • Mein Zuhause: Umzug, Eltern, Familie, Wohnen, etc.


Fazit:

An unserer Schule in Hamburg Bergedorf hat sich der Schreibprofi nicht nur im Unterrichtsalltag beim kooperativen Lernen bewährt, sondern auch in den Förderprogrammen zum schriftlichen Entwerfen von Texten. Besonders aber beim schriftlichen Kommunizieren gibt dieses Material den Schülerinnen und Schülern sehr große Hilfestellungen.
Der Schreibprofi setzt bei den Kompetenzen und den Interessen der Kinder an und kann somit individuell und gezielt eingesetzt werden. Der Sprung auf die bildungssprachliche Lernebene wird den Schülerinnen und Schülern ermöglicht und sie erleben dieses Arbeiten als eine Erweiterung ihrer Lebens- und Lernwelt.

Weitere Themen im Schreibprofi:

  • Alles über mich
  • Wütend, traurig und froh
  • Als ich klein war – wenn ich groß bin
  • Kuscheltiere und Piratenschiff
  • Menschen um mich herum
  • Gesund und fit
  • Mein Lieblingstier
  • Im Zoo
  • Freizeit und Hobby
  • Geld
  • Rund ums Buch
  • Es spukt
  • Ritter und Burgen
  • In der Märchenwelt
  • Abenteuer
  • Die Zeitmaschine
Birte Priebe ist Sonderschullehrerin und Sprachlernkoordinatorin an der Grundschule Ernst-Henning-Straße in Hamburg Bergedorf, Mitarbeiterin des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung im Bereich Sprachförderung sowie Lehrbeauftragte an der Universtität Hamburg. Darüber hinaus gibt sie Vorbereitungsseminare für die TheaterSprachcamps in Hamburg. © Finken-Verlag, 2012 Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlags. Mehr Informationen zum Schreibprofi erhalten Sie auf unserer Homepage: Schreibprofi
Kooperative Lernformen - Schreibprofi Bild 3