Welchen Nutzen kann die Schule aus der Schulanfangsbeobachtung ziehen?

Maressi Lassek und Christa Hirschfeld

Aufwand

„Mirola“ stößt auf großes Interesse in den Schulen. Zunächst aber lässt der vermeintliche Organisationsaufwand bei der Durchführung manche zögern. Die Durchführung der Schulanfangsbeobachtung Mit Mirola durch den Zauberwald erfordert Ressourcen (Lehrerstunden), die über die normale Unterrichtsversorgung hinausgehen. Für Schulen, die das Verfahren in ihr Schulprogramm aufgenommen haben, hat sich die Bündelung der Förder- und Betreuungsressourcen während der Durchführungszeit bewährt. In der Regel nimmt auch die Schulleitung an der Beobachtung teil, da sie auf diesem Weg alle Schulanfänger kennen lernen kann. Erfahrungsgemäß wächst die Akzeptanz für den Zeitaufwand, wenn über das Verfahren deutlich wird, dass

  • Aussagen zu jedem Kind in relevanten Kompetenzbereichen zusammengefasst werden können,  
  • eine bessere Grundlage für die Gestaltung des Anfangsunterricht entsteht,
  • fundierte Informationen für das erste Elterngespräch vorliegen.

Nutzen

... für die Schule

Die Schule erhält einen Überblick über den gesamten Einschulungsjahrgang und die Situation in den einzelnen Klassen. Die individuelle Einschätzung der einzelnen Lehrkraft wird ergänzt durch Beobachtungen in einer nahezu identischen Situation für alle Kinder.

... für die Arbeit der Grundschullehrerinnen und -lehrer

Die Unterstützung der Grundschullehrerinnen und -lehrer in der Schulanfangssituation ist vorrangiges Ziel der Schulanfangsbeobachtung.

  • Das Kennenlernen der neuen Kinder wird deutlich erleichtert.
  • Die Beobachtungsergebnisse liefern Grundlagen für die Lerngestaltung im Anfangsunterricht.
  • Es entsteht mehr Sicherheit in der Einschätzung der Lernausgangslage. Zusätzlich wirkt entlastend, wenn die Beobachtungen mehrerer Lehrkräfte eine Einschätzung bestätigen (besonders bei verhaltensauffälligen Kindern)
  • Grundschulspezifischer Förderbedarf lässt sich gezielter und schneller erkennen 

... für die Teamarbeit in der Schule

Die Anfangsbeobachtung schafft Anlässe, sich sehr konkret über die Schulanfänger auszutauschen. Die gemeinsame Bearbeitung pädagogischer Anliegen wirkt teamfördernd und erweitert das Handlungsspektrum der einzelnen Lehrkraft. Es entwickelt sich Offenheit, die auch über die Zeit des Schulanfangs hinaus Bestand hat.

Das gemeinsame Nachdenken über eine bessere Passung zwischen der Lernausgangslage der Kinder und dem Anfangsunterricht kann

  • Impulse für die Kooperation zwischen Grundschullehrkräften, Sonderpädagoginnen, Sonderpädagogen, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen geben,
  • die diagnostische Kompetenz bei den beteiligten Lehrkräften erhöhen,
  • das fachliche Gespräch über Möglichkeiten und Veränderungen in der Unterrichtsgestaltung anregen.

... für die Förderung

Allgemein lässt sich feststellen, dass

  • die Anfangsbeobachtung eine Sensibilisierung für die Wahrnehmung der Bedürfnisse der Schulanfängerkinder und im Besonderen der förderbedürftigen Kinder zur Folge hat,
  • die Entwicklung präventiver Maßnahmen sowohl für den Regelunterricht als auch für Fördermaßnahmen der Grundschule unterstützt wird,
  • die Erstellung von Förderplänen erleichtert wird,
  • Fördermaßnahmen unter bestimmten Fragestellungen reflektiert werden, z. B.: Reichen unterrichtliche Fördermaßnahmen aus? Bei welchen Kindern bedarf es einer darüber hinaus gehenden Förderung? Wann müssen die Eltern in ihrer Verantwortung angesprochen oder außerschulische Maßnahmen angeregt werden?

... für die Elternarbeit

Die Schulanfangsbeobachtung liefert von allen Kindern aussagekräftige Hinweise auf deren Entwicklungsstand und die Basiskompetenzen zum Lernen in der Grundschule. Daraus ergeben sich vielseitige Informationen für die Elterngespräche und gegebenenfalls auch gezielte Anregungen für die Eltern.

... für die Kooperation mit dem Elementarbereich

Aus der Zusammenschau der Beobachtungen zum Schulanfang entwickeln sich Fragen, die im Austausch mit dem Elementarbereich bearbeitet werden können. Die Zusammenarbeit erhält darüber hinaus weiterführende inhaltliche Impulse.

Resümee  

Die Erfahrung vieler Lehrkräfte mit der Schulanfangsbeobachtung bestätigt, dass diese eine umfassende Momentaufnahme über den aktuellen Lern- und Entwicklungsstand der Kinder liefert. Die Dokumentation der Lernausgangslage kann, insbesondere im Hinblick auf die vergleichenden Untersuchungen in den Folgejahren (z. B. Vergleichsarbeiten VERA), für die Schule hilfreich sein, denn wenn die Anfangssituation hinreichend gut festgehalten wurde, kann die Leistung und der Entwicklungsprozess eines Kindes (und der Schule) bei einer späteren Lernstandserhebung objektiver gemessen werden.

 

 

Maresi Lassek ist Schulleiterin an einer Schule in Bremen und Autorin des Materials Mit Mirola durch den Zauberwald.

Christa Hirschfeld ist Schulleiterin an einem Förderzentrum in Bremen und Autorin des Materials Mit Mirola durch den Zauberwald.

 

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Praxisbericht Schulanfangsbeobachtung Produktbild

 

Mehr Informationen zum Beobachtungsverfahren "Mit Mirola durch den Zauberwald" erhalten Sie unter:

Mit Mirola durch den Zauberwald