Bericht zur Arbeit mit dem Werk „Komm mit – rechne mit!“

von Silke Hofmann und Silke Petersen

Wir sind Mitautorinnen des Werkes Komm mit – rechne mit!. Bei diesem Werk handelt es sich um ein Materialpaket zur Förderung rechenschwacher Kinder. Es besteht aus Diagnose- und Überprüfungsbögen sowie aus Fördermaterialien, mit denen die Kinder arithmetisches Grundverständnis entwickeln und Lernrückstände aufholen können.

Als Förderschullehrerinnen unterrichten wir an einer Schule für Lernhilfe, sind aber auch mit der Förderung von Grund- und Hauptschülern im Rahmen unserer Tätigkeit im Beratungs- und Förderzentrum (BFZ) betraut.

Bevor wir das Material entwickelt hatten, standen wir immer wieder vor der Schwierigkeit, für heterogene Lerngruppen der unterschiedlichen Schulformen geeignete Förderangebote zusammenzustellen. Obwohl wir über einen reichen Erfahrungsschatz verfügen – uns fehlte ein verlässliches Material, mit dem wir den Förderprozess langfristig strukturieren konnten und der auch von den unterrichtenden Klassenlehrerinnen der Grundschule aufgegriffen und fortgesetzt werden konnte.

Diese „Not“ gab uns den Impuls zur Entwicklung von Komm mit – rechne mit!.
Bei der Konzeption der Bände waren uns folgende Aspekte wichtig:

  • Einbindung von Diagnose- und Überprüfungsmöglichkeiten
  • Berücksichtung der handelnden, bildlichen und symbolischen Lernebene
  • spiralcurricularer Aufbau der einzelnen Bände (ZR von 10 bis 1 Million), sodass kontinuierliches Lernen gewährleistet ist
  • angemessene Übungsvielfalt

 

Seit Erscheinen des sechsbändigen Gesamtwerkes vor einem Jahr setzen wir dieses Material nun intensiv in den verschiedenen Schulformen sowohl im Klassenunterricht als auch in der Einzelförderung ein.

Die Erfolge, die wir bislang damit erzielen konnten, sind für uns eine wertvolle Bestätigung, ein wirklich hilfreiches Fördermaterial entwickelt zu haben.
Dies sollen drei Beispiele belegen.


Einzelförderung einer Grundschülerin im 2. Schuljahr im Rahmen der BFZ-Arbeit

Silke Hofmann

Zurzeit bin ich mit der Einzelförderung einer Grundschülerin im 2. Schuljahr betraut. Die Schülerin zeigte zu Beginn des 2. Halbjahres noch große Unsicherheiten bei der Orientierung im Zahlenraum bis 100. Das Rechnen war fast gar nicht möglich, da sie immer wieder Zehner und Einer verwechselte. So wusste sie auch nicht, welche Stellenwerte zusammengezählt oder abgezogen werden mussten.

Der Diagnosebogen bestätigte, dass sie noch kein Stellenwertverständnis und keine Zahlraumvorstellung entwickelt hatte.

Der erste Förderschritt bestand nun darin, diese Zahlraumvorstellung mithilfe des Handlungsmaterials aufzubauen. Mit der Hundertertafel und der Stellenwerttafel erarbeiteten wir die dekadischen Zusammenhänge, indem mit Zehnerstangen und Einerplättchen Zahlen gelegt und später auch Rechenoperationen ohne Übergang handelnd durchgeführt wurden. (Das Handlungsmaterial sowie Vorschläge zur Arbeit damit sind Bestandteile eines jeden Bandes.)
Sobald ein Lernschritt handelnd vollzogen war, setzte ich die Arbeitsblätter ein, die das Handlungsmaterial bildhaft aufgreifen. Erste Rechenoperationen konnten mit dieser bildlichen Unterstützung sicher durchgeführt werden.
Heute ist das Mädchen in der Lage, die Rechenoperation rein gedanklich durchzuführen und Aufgaben ohne Überschreitung sicher zu rechnen.Komm mit - rechne mit! Band 3 Stufe 1B Produktbild 2

Schwierigkeiten bereiten ihr allerdings noch Aufgaben mit Unter- und Überschreitung des Zehners. Daher werde ich in den nächsten Wochen auf den Band zurückgreifen, der den Zahlenraum bis 20 bearbeitet. Auch hier wird zunächst die Handlung im Vordergrund stehen. Sobald die nötigen Grundlagen gelegt sind, kann ich wieder den Band zum Zahlenraum bis 100 einsetzen.

Die Klassenlehrerin ist über meine Förderschritte stets informiert, da ich im individuellen Beobachtungsbogen die entsprechenden Lernstände eingetragen habe. Zudem gebe ich Empfehlungen, wie im Klassenunterricht die Förderarbeit durch den Einsatz entsprechender Handlungsaufgaben und Arbeitsblätter fortgesetzt werden kann.


Förderarbeit im Klassenunterricht an einer Förderschule mit dem Schwerpunkt „Lernen“

Silke Hofmann

Als Klassenlehrerin einer Mittelstufenklasse habe ich 13 Kinder mit sehr unterschiedlichen Lernständen zu unterrichten. Manche Kinder rechnen noch im Zahlenraum bis 20, andere bereits im Zahlenraum bis 1000. 
Diese Kinder individuell zu fördern erfordert genaue Planung. Hier leistet mir die spiralcurriculare Struktur des Werkes und die Übungsdichte wertvolle Hilfe.

Die Veranschaulichung des Stellenwertprinzips und der Rechenverfahren ist über alle Bände hinweg weitgehend identisch, es kommen in den höheren Zahlenräumen nur jeweils neue Stellenwerte bzw. Symbole (H,T,ZT...) hinzu. So lassen sich die grundlegenden Lernschritte durchaus auch im Klassenverband erarbeiten und wiederholen. Die Kinder arbeiten anschließend individuell in den verschiedenen Zahlenräumen weiter.

Dafür habe ich einen größeren Vorrat an Arbeitsblättern angelegt, mit dem ich jedes Kind individuell versorgen kann. Das Handlungsmaterial steht jederzeit zur Verfügung, falls ein Kind noch darauf zurückgreifen möchte oder muss.

Ich konnte feststellen, dass mir die Übungsdichte und der spiralcurriculare Aufbau des Werkes die Differenzierung und Individualisierung meines Unterrichts deutlich erleichterte, wovon sämtliche Kinder profitiert haben.
Dies belegen die Überprüfungsbögen, die ich zwischenzeitlich immer wieder einsetze, um den Lernfortschritt und den weiteren Förderbedarf ermitteln zu können.



Einzelförderung einer Grundschülerin im 3. Schuljahr im Rahmen der Einzelförderung im gemeinsamen Unterricht

Silke Petersen

Als Förderschullehrerin bin ich damit betraut, Einzelförderung im Rahmen des gemeinsamen Unterrichts in der Grundschule durchzuführen. Die mir anvertraute Schülerin fiel seit Beginn der 1. Klasse durch schwache Leistungen im Bereich Mathematik und Deutsch auf. Diese manifestierten sich trotz Binnendifferenzierung und Förderung, sodass die Schülerin durch eine Förderschullehrerin überprüft wurde. Seit der Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs im Sinne der Schule für Lernhilfe zu Beginn des 3. Schuljahres wird sie von mir 3 Schulstunden pro Woche im Bereich Mathematik einzeln gefördert.

Das Mädchen wurde mir als eine Schülerin vorgestellt, die sich durch eine hohe Motivation, Fleiß und Lernbereitschaft auszeichnen würde. Zugleich zeige sie jedoch wenig Selbstvertrauen und eine schnell einsetzende Frustration bei Aufgaben, die sie für zu schwer erachte oder nicht errechnen könne. Da ihre Klassenkameraden zu diesem Zeitpunkt sicher im Zahlenraum bis 100 rechneten und gerade im Begriff waren, sich den Zahlenraum bis 1000 zu erschließen, erschien ihre schnell einsetzende Frustration nicht verwunderlich, da ihr die Aufgaben zur Addition- und Subtraktion im Zahlenraum bis 100 auch mit geeignetem Material nur sehr unsicher gelangen. Auffallend war der Einsatz ihrer Finger beim Rechnen.
So hatte ich mir zunächst vorgenommen mithilfe des Klassentestes herauszufinden, in welchen Bereichen des Zahlenraum bis 100 ihre Schwächen und Defizite liegen, um anschließend mit den Handlungsaufgaben und Arbeitsblättern eine geeignete Förderung aufzubauen.
So ergab der Klassentest, dass die Schülerin keinen Förderbedarf in den Bereichen Zahldarstellung/Stellenwertsystem aufwies. Auch konnte sie sich im ZR bis 100 sicher orientieren. Bei der Addition und Subtraktion mit und ohne Übergang sowie bei der Multiplikation und Division traten jedoch Fehler auf.
Hier half es sehr, dass das Werk Komm mit  – rechne mit! in jedem Bereich über einen Diagnosebogen verfügt, der sehr differenziert Auskunft über bestehende Defizite gibt. Er zeigte, dass die Schülerin die Additions- und Subtraktionsaufgaben (ZE+E) ohne und mit Übergang nur mit Hilfe ihrer Finger errechnen konnte, wodurch sie sich häufig verzählte und die Ergebnisse falsch waren. Die Aufgabentypen (ZE+-ZE) gelangen ihr durch ihr Rechenprinzip gar nicht. Das Prinzip der Ergänzungsaufgaben hatte sie nicht verstanden. Auch das Einmaleins war nicht automatisiert.
 Komm mit - rechne mit! Band 4 Handbuch Produktbild 5
Bei Auswertung der Diagnosebögen bietet das Werk fachliche Hilfe an, sodass auch fachfremde Lehrer den Hinweis erhalten, dass an dieser Stelle die Förderung der Addition und Subtraktion im Zahlenraum bis 100 nicht sinnvoll gewesen wäre. Vielmehr kam mir nun der spiralcurriculare Aufbau des Werkes zur Hilfe und ließ den Rückgriff auf den Zahlenraum bis 20 zu. Die Ergebnisse des  Diagnosebogens der Zehnerüber- und unterschreitung im Zahlenraum bis 20 untermauerten hier die Ergebnisse im Zahlenraum bis 100. Die Schülerin hatte die Additions- und Subtraktionsaufgaben im Zahlenraum bis 20 nicht automatisiert. Auch diese Aufgaben wurden mithilfe der Finger  errechnet. Sie löste die Aufgaben mit Übergang nicht durch Zerlegen des 2. Summanden bzw. des Minuenden. 

Mit diesem Wissen konnte ich mit dem Werk nun meine gezielte Förderung aufbauen. So förderte ich zunächst  als Grundlage für das Rechnen in höheren Zahlenräumen intensiv das Rechnen im Zahlenraum bis 20. Mithilfe der verschiedenen Zugangsmöglichkeiten des Werkes über die handelnde, ikonische und symbolische Ebene gelang es mir in einem Förderzeitraum von fünf Wochen durch Üben von Zahlzerlegungen,Rechnen bis zur 10 und mit Zehnerüber- und unterschreitenden Aufgaben mit Zerlegungen des 2. Summanden bzw. des Minuenden die Grundaufgaben bis 20 zu automatisieren. Auch das Prinzip der Ergänzungsaufgaben hatte sie nun verstanden. Der Überprüfungsbogen zu diesem Bereich lieferte hier eindeutige Ergebnisse.
Die Schülerin wurde zunehmend selbstbewusster, da sie erleichtert war, bei diesen Aufgaben nun nicht mehr auf ihre Finger angewiesen zu sein. Dank der Durchlässigkeit des Werkes konnte ich darauf aufbauend nun die Additions- und Subtraktionsaufgaben im Zahlenraum bis 100 mit ihr angehen. Parallel dazu wurde mit dem Werk das Einmaleins geübt. Mittlerweile ist die Schülerin dank intensiver Förderung wie ihre Klassenkameraden im Zahlenraum bis 1000 angekommen. 

Als Fazit lässt sich sagen, dass mit dem Werk aufgrund der verschiedenen Zugänge und hohen Übungsdichte gute Grundlagen gelegt und  hohe Erfolge erzielt werden können. Natürlich ist es gerade bei Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Sinne der Schule für Lernhilfe so, dass ihre Speicherkapazität und Konzentrationsfähigkeit oft begrenzt sind. So ist es auch bei dieser Schülerin der Fall, dass ihr die Addition und Subtraktion mehrstelliger Zahlen mit Übergang mündlich schwerfallen. Daher übe ich parallel auch immer die schriftlichen Verfahren mit ihr ein. Auch diese werden in dem Werk anschaulich erarbeitet.
So hat die Schülerin mithilfe des Werkes bislang erfolgreich viele Unterrichtsinhalte aufgearbeitet und drückt dies auch stolz aus. Durch die klare Struktur des Werkes, das farbige Handlungsmaterial und nicht zuletzt durch die ansprechenden Leitfiguren wurde das Werk gerade bei dieser Schülerin, die bei Neuem oder ihr Unbekanntem teilweise sehr ängstlich und häufig weinerlich reagiert, zu einem zuverlässigen Begleiter.

Wie in den Beispielen deutlich wird, werden die Materialien den unterschiedlichsten Bedürfnissen gerecht und bieten der Lehrkraft alle Möglichkeiten, individuelles Fördermaterial zusammenzustellen und kleinschrittig fehlende Kompetenzen aufzubauen.


Silke Hofmann ist Förderschullehrerin an einer Schule für Lernhilfe und Körperbehinderte. Darüber hinaus ist sie im Beratungs- und Förderzentrum (BFZ) tätig und gibt Fortbildungen im Bereich „Rechenschwäche“.

Silke Petersen ist Förderschullehrerin mit dem Hauptfach Mathematik. Sie ist an einer Schule für Lernhilfe sowie im Beratungs- und Förderzentrum (BFZ) tätig.                             


© Finken-Verlag, 2011
Komm mit rechne mit
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